Der Rentenmarkt befindet sich in einer Vertrauenskrise. „Das Kapital ist jetzt so teuer wie noch nie. Wer nicht unbedingt Kapital braucht, sollte daher vorerst auf eine Kapitalaufnahme verzichten“, riet der Vorstandssprecher der Deutschen Hypothekenbank AG, Bremen, Rudolf Fabian. Die Hypothekenbanken müssen sich zur Zeit zu einem Spitzensatz von etwa 11,2 Prozent am Rentenmarkt refinanzieren. Daraus ergibt sich, daß erststellige Hypotheken bei einer Laufzeit von etwa zehn Jahren (mit Zinsanpassungs-Klausel) bei Zinssätzen von – 9 und 9 1/2 Prozent und entsprechenden Auszahlungskursen von etwa 86 und 89 Prozent effektiv 11,6 Prozent und mehr kosten müssen. Das ist um fast ein Prozent teurer als in der vorjährigen Spitze.

Bei diesen Sätzen stellt sich natürlich die Frage, ob eine Verschuldung noch verantwortet werden kann. Auf dieser Basis ist der private Wohnungsbau praktisch tot. Die Wirtschaft scheut sich, Kapital zu diesen Konditionen langfristig aufzunehmen; sie hilft sich mit Überbrückungskrediten und hofft, daß der Zins in absehbarer Zeit wieder niedriger sein wird. Kaum Verschuldungshemmungen hat dagegen die öffentliche Hand.

Bei den privaten Hypothekenbanken gingen die Hypotheken-Auszahlungen und -Zusagen um jeweils 29 Prozent auf 456 bzw. 365 Millionen Mark zurück, während die ausgezahlten Kommunaldarlehen an die vielfach überschuldeten öffentlichen Haushalte mit 632 Millionen genau doppelt so hoch waren wie vor einem Jahr. Diese Entwicklung wird sich vermutlich fortsetzen. Die Hochzinspolitik, meine verehrten Leser, begünstigt einseitig die öffentlichen Kapitalnehmer, denen Rentabilitätsüberlegungen eben fremd sind.

Bundesfinanzminister Schmidt denkt auch nicht daran, im öffentlichen Bereich bremsen zu lassen. Auf dem Bankentag in Bonn sagte er wörtlich: „Es ist weder einsehbar noch in einer Demokratie machbar, immer wieder vorzugsweise öffentliche Leistungen und Investitionen zurücktreten zu lassen. Ein grundsätzlicher Vorrang privater vor öffentlichen Investitionen ist nicht begründet, weder unter dem Gesichtspunkt der gesamtwirtschaftlichen Produktivität noch unter dem Gesichtspunkt der allgemeinen Wohlfahrt.“

Ich weiß, meine verehrten Leser, daß sich darüber lange streiten läßt. Das ist hier aber nicht der richtige Platz. Wir müssen hier nur Klarheit über die Finanzpolitik der Bundesregierung gewinnen. Denn sie entscheidet über die Zukunft des Rentenmarktes – und damit über die Stabilität unserer Ersparnisse, Bundesfinanzminister und Bundesbankpräsident haben vor dem Bankentag in Bonn beide versichert, keinen elfprozentigen Nominalzinssatz am Kapitalmarkt zulassen zu wollen. Aber wird der Markt nicht stärker sein als der Wille offizieller Stellen? Minister Schmidt gibt zu, daß alles schwieriger geworden ist, nachdem zweistellige Lohnraten ins Land ziehen und Regierung und Bundesbank „eben doch nicht bereit sind, sich mit zweistelligen Preisraten abzufinden“.

Ich habe den Eindruck, meine verehrten Leser, daß in Bonn wieder einmal nach Patentrezepten gesucht wird, die dafür sorgen sollen, daß man alles auf einmal bekommt: niedrigere Zinsen, rückläufige Inflationsraten und ausreichend Kapital, um zumindest den öffentlichen Bedarf zu befriedigen. Aber man scheint die Rechnung ohne den Sparer zu machen, wie die Lethargie auf dem Rentenmarkt zeigt.

Die Kreditinstitute berichten ziemlich einhellig, daß der private Sparer zur Zeit für den Erwerb -festverzinslicher Papiere nicht zu gewinnen ist. Höchstens für sogenannte Kurzläufer, wo sich immerhin Renditen von fast elf Prozent erzielen lassen (siehe „Zeit spart Geld“ auf Seite 42). Den Banken und Sparkassen fehlt der Mut, die Anlage in Renten zu empfehlen. Denn noch steht keineswegs fest, wohin sich der Zins in den nächsten Monaten bewegen wird.