Amerika hat es wieder besser. Die arabischen Öl-Staaten haben, gegen den Willen der Libyer und der Syrer, ihr im Oktober letzten Jahres über die USA verhängtes Embargo aufgehoben – wenn auch zunächst nur für drei Monate. Der Grund für die Befristung: Die Öl-Waffe soll, auch wenn sie mittlerweile schartig geworden ist, nicht ganz zum alten Eisen geworfen werden. Als Druckmittel gegen Washington oder wankelmütige Westeuropäer taugt sie schließlich noch immer.

Die Vereinigten Staaten verdanken die Aufhebung des Lieferstopps dem Ägypter Sadat und König Feisal von Saudi-Arabien. Beide wollten Henry Kissinger belohnen, weil er – so sagen sie – eine Wende in der amerikanischen Nahost-Politik bewirkt hat: Mehr Druck auf Israel, mehr Verständnis für die Araber. In Newsweek, dem amerikanischen Nachrichtenmagazin, war Sadat sogar soweit gegangen, Nixon zu bescheinigen, er habe die „Richtung der amerikanischen Politik in unserem Gebiet revolutioniert“.

Von einer „Revolution“ aber, die Frieden bedeuten müßte zwischen Israelis und Arabern, ist nicht viel zu spüren. Ein Anfang ist gemacht, mehr nicht. Und der frühe Lorbeer, mit dem Kissinger in Kairo bekränzt wurde, kann schnell welken – ebenso schnell, wie die Öl-Waffe, gerät der Friedens-Fahrplan durcheinander, wieder gezogen werden kann.

Derzeit steht es um die amerikanische Vermittlungsmission in Nahost nicht zum besten. An der Golanfront, wo sich Kissinger nach seinem Suez-Erfolg einen ähnlichen Durchbruch erhoffte, wird nun schon seit einer Woche ununterbrochen geschossen. Und niemand weiß, ob das nur, wie vordem am Kanal, eine militärische Ouvertüre zu den Verhandlungen über ein Disengagement der Truppen ist, die Ende des Monats in Washington stattfinden sollen.

Das Öl fließt wieder, der Krieg aber geht weiter – das wäre sowohl für Sadat wie für Kissinger. eine schlechte Lösung. Für Sadat, weil er den Syrern sein Wort verpfändet hat, ohne eine Rückzugs-Regelung am Golan nicht zur Friedenskonferenz nach Genf zu gehen. Für Kissinger, weil seine anspruchsvolle Friedensdiplomatie, an den Realitäten gemessen, als bloßes Wortgeklingel empfunden werden könnte. Geölt läuft nun einmal nichts in Nahost. D. St.