ARD, Sonntag, 17. März: „Die weiße Hölle vom Piz Palü“, von Arnold Fanck, G. W. Pabst

Ernst Udet, Deutschlands tollkühnster Mann in fliegender Kiste, kurvte über Grat und Gletscher, warf Champagner am Fallschirmchen ab und demonstrierte erste Versuche, bei Bergnot aus der Luft zu helfen. Das war damals eine fliegerische Sensation. Für diesen 1929 gedrehten Film waren die Fliegerszenen eine Bombenreklame. Ansonsten bemühte man sich um eine Art Weihespiel mit sportlichem Appeal.

Die Frau vom Typ „Mädel“ (Leni Riefenstahl) hat noch nicht die Hosen an und kraxelt und fährt Stemmbögen im kniekurzen Rock. Ein junger Mann muß unversehens in die harte Lehre des Heroismus gehen; und der ältere Herr, der auf den wunderschönen Filmnamen „Dr. Johannes Krafft“ hört und prompt als Körper- und Seelenkraft in Person auftritt, ist im Heldentum schon Meister und stirbt aufrecht den Opfertod. Eine fürchterlich pathetische Geschichte voller Hochanständigkeit im Hochgebirge ist das. Sie war zunächst stumm. 1935 wurde der Film auch noch mit Ton verhunzt; über markige Rufe und knappe Dialoge ging eine Lawine von Schuld- und Schicksalsmusik herunter. Wenn man das heute sieht und hört, dieses Dokument deutscher Geistes- und Gemütsverfassung zwischen den Weltkriegen, erscheint einem der Gang deutscher Zeitgeschichte nicht weiter verwunderlich.

Es ist der Film, mit dem Dr. Arnold Fanck (auf den Doktortitel wurde Wert gelegt) Berühmtheit erlangte, ein Mann, der jedweder Filmboheme eine akademisch-bürgerliche Seriosität entgegensetzen wollte, wobei er sich vor allem des Bergsteigersujets bediente. Aus seiner Freiburger Kameraschule kamen übrigens einige hervorragende „Operateure“, wie man sie in jener Zeit nannte, unter ihnen Sepp Allgeier, der 1936 Chefkameramann für Leni Riefenstahls Olympia-Film wurde. Sie hatten Pathos über Pathos im Sucher. Der Film mit dem Kassenschlagertitel, der statt der Hölle ein Elysium reiner Seelen in der reinen Luft des Oberengadins anpreist, ist dafür ein Exempel. Peter Dubrow