Von Heinz Josef Herbort

Der junge Herr – nennen wir ihn – Adomeit, Rechtsanwalt aus Essen, erfüllt exakt alle Bedingungen, die man an einen sogenannten Flachlandtiroler stellt: Siebenundvierzig Wochen im Jahr verbringt er zu einem großen Teil damit, in abgeschlossenen Räumen „sitzende Arbeit“ zu verrichten, drei Wochen pflegt er sommers im Süden bei Sonne und Wasser Urlaub zu machen, irgendwann im Winter fährt er für zwei Wochen in den Schnee. Siebenundvierzig Wochen lang hat er so gut wie keine Bewegung, siebenundvierzig Wochen lang auch lebt er in einer alles andere als reinen Luft, siebenundvierzig Wochen lang ist er „Trimm-dich“-Aktivität absolut nicht gewohnt.

Sechsundzwanzig war Herr Adomeit, als er Zum erstenmal Winterferien machte; er ist also, was das Skifahren betrifft, ein „Spätberufener“. Doch Herr Adomeit hat sich von Jahr zu Jahr gesteigert, er fährt inzwischen einen ganz hübschen Parallelschwung, nur wenn es ganz besonders steil oder eisig wird, verkrampft er noch und stemmt ängstlich den Talski aus.

Seit ein paar Jahren nun mag Herr Adomeit nur noch „hochalpin“ fahren, genauer: abfahren. Kleine Buckel sagen ihm nichts mehr, er sucht wenigstens einigermaßen steile Hänge, in der Pistenkarte und auf den Pistenschildern rot („mittel“) markierte Abfahrten – denn Herr Adomeit ist inzwischen sportiv.

Herr Adomeit will auch nicht noch einmal ein Risiko eingehen, ob denn nun der von ihm gebuchte Ort Schnee hat oder nicht, die Ungewißheit der letzten Jahre hat ihm gereicht. Schneesicherheit ist es, was er verlangt, schließlich fährt er nicht zum Wasserski in die Alpen.

Schließlich möchte er gern vermeiden, die Hälfte des Urlaubstages in der Schlange vor dem Skilift zu stehen. Die kleine Reihe oben auf dem Berg am Schlepplift, der einen wieder zur Spitze hochbringt, die Wartezeit, die man auch geschickt zum Sonnenbaden umfunktionieren kann, die nimmt er noch in Kauf. Aber ansonsten führe Herr Adomeit am liebsten immer die letzten Pistenmeter durch, direkt bis in den Liftsessel oder -bügel.