Die neue italienische Regierung Rumor wird genau das tun, was die alte Regierung Rumor nicht tun wollte: Den Kredit des Weltwährungsfonds über 1,2 Milliarden Dollar zu den von Ex-Schatzminister La Malfa ausgehandelten Bedingungen annehmen. Notenbankpräsident Carli braucht also nicht zurückzutreten. Die neue Mitte-Links-Regierung in Italien hat gegenüber der letzten Regierung gleichen Namens nur den republikanischen Schatzminister verloren. Der war als Gegner einer inflatorischen Entwicklung bekannt und sehr gefürchtet.

Mit 1,3 Prozent Steigerung der Lebenshaltungskosten im Januar und geschätzten 3,3 Prozent im Februar ist Italien in eine Inflationsspirale geraten, aus der es schwerlich noch ein Entrinnen gibt, ohne daß die Weichen der Kapital- und Währungspolitiker abrupt gestellt werden. Zu bedenken ist dabei, daß die Wirtschaft in Italien immer noch dem staatlichen Preisstopp unterworfen ist und dieses Jahr bereits über. 1000 dringende Anträge auf Preiserhöhungen glatt abgelehnt wurden. Selbst Wirtschaftsfachleute wagen nicht mehr auszumalen, was bei einer allgemeinen Preisfreigabe eintreten würde.

Aber die Aussichten für eine Fortführung der Kontroll- und Mangelwirtschaft sind noch trister. Daß die Handelsbilanz dieses Jahr ein erheblich höheres Defizit als die 13,5 Milliarden Mark des letzten Jahres aufweisen wird, ist schon jetzt Gewißheit. Die Notenbank versucht deshalb über Ein- und Ausfuhrverbote für die Lira, daß wenigstens der offizielle Kurs der italienischen Währung nicht ins Uferlose abgleitet. Ständig neue Auslandskredite werden erforderlich sein, damit die Zentralbank die erforderlichen Mittel zur Kursstützung erhält.

In diesem Zusammenhang ist auch der Gedanke aufgetaucht, die Lira in die europäische Währungs-„Schlange“ (im Wirtschaftsdeutsch Tunnel genannt) der von der Mark gestützten Währungen zurückkommen zu lassen. Italien könnte unter dem Schutzschirm der Mark, neue Kredite erhalten, um seine Importüberschüsse zu bezahlen und die Lira zu stützen. Allerdings ist man sich im klaren darüber, daß Bonn, Den Haag und Brüssel für die Rückkehr der Lira in die „Schlange“ von Rom keine geringere Selbstdisziplin erwarten würden, als der Weltwährungsfonds in Washington für seine Anleihe.

Italien müßte sich verpflichten, seine Wirtschafts- und Finanzpolitik mit den Beneluxländern, der Bundesrepublik und den skandinavischen Ländern abzustimmen. Genau gesagt: Italiens Gewerkschaften und die Sozialisten müßte international verbindliche Zusagen darüber abgeben, daß sie mit einer energischen Inflationsbekämpfung einverstanden sind. Ob sie sich dazu bereitfinden können, ist fraglich. Ob aber Mark und Gulden ohne eine solche Rückbürgschaft haften wollen, steht auf einem anderen Blatt. Italiens Wochenzeitschrift „L’espresso“ fragt deshalb auch ungläubig: „Wird die Schlange Spaghetti fressen?“ fg