Vor 20 Jahren organisierte zum erstenmal ein deutscher Veranstalter eine Flugreise nach Mallorca

Die Beteiligten waren samt und sonders ahnungslos: Dr. Tigges in seinem Wuppertaler Büro, die Angestellten und Reiseplaner der Dr. Tigges-Fahrten und auch das kleine Häuflein deutscher Touristen, das auf dem Flughafen von Barcelona in die klapprige Propellermaschine kletterte und nach 45 Minuten Flugzeit auf dem Airport von Palma de Mallorca landete.

Was damals, im März 1954, keiner ahnte – heute wissen wir es: Mit dieser ersten Flugreise eines deutschen Reiseveranstalters nach Mallorca fiel der Startschuß zum Zeitalter des modernen bundesrepublikanischen Massentourismus. Die 6904 deutschen Mallorca-Touristen des Jahres 1954 waren die Vorreiter der großen Völkerwanderung in den Süden, auf die sich inzwischen Jahr für Jahr fast ein Viertel der Einwohner der Bundesrepublik begibt.

Mallorca, "die Märcheninsel, von der Natur reichlicher mit Schönheit gesegnet als die Küsten des Festlands", ist derweil längst zum Synonym für jene moderne Form des Reisens geworden, über die Kulturkritiker und Individualisten so gern die Nase rümpfen: die organisierte Gesellschaftsreise. Sie hat inzwischen freilich nicht allein Mallorca, sondern große Teile der Welt verändert, nicht unbedingt zu deren Vorteil.

Nach dem 45-Minuten-Luftsprung Barcelona-Palma ging es Schlag auf Schlag. Ein Jahr später wurde bereits die erste Charterflugkette zwischen Düsseldorf und Mallorca eingerichtet. Flugdauer fünf Stunden mit einer Zwischenlandung in Lyon. Das war ein enormer "Fortschritt" gegenüber den bis dahin üblichen Bahn- und Schiffsreisen auf die Balearen, für die man (Hin- und Rückreise) immerhin dreieinhalb Tage benötigte. Geflogen wurde übrigens damals mit britischen Charterfluggesellschaften, deutsche Unternehmen existierten noch nicht.

Heute fliegen die modernen Düsenjets zwei Stunden bis nach Palma und es gibt keinen deutschen Reiseveranstalter, der nicht wenigstens ein paar Hotels auf Mallorca in seinem Programm hätte.

Alles hat sich in diesen 20 Jahren verändert, nur die Preise erstaunlicherweise nicht. Kostete die erste kombinierte 17tägige Bahn- und Flugreise 1954 ab Köln den damals stolzen Betrag von 480 Mark, so bezahlt der 1974er-Tourist bei vielen Veranstaltern für die Zwei-Wochen-Flugreise immer noch den gleichen Preis. Die industrielle Produktion von Urlaubsreisen macht’s möglich: Hohe Auslastung von regelmäßig verkehrenden Großraumflugzeugen und Großeinkauf über das ganze Jahr belegter Hotelbetten.