Jahrelang haben es die Unternehmer versäumt, mit eigenen Vorschlägen in die gesellschaftspolitische Diskussion einzugreifen

Es vergeht kaum noch ein Tag, ohne daß Unternehmer, Manager oder ihre Verbände gegen die Pläne der Koalitionsparteien zur Reform der Mitbestimmung und der Vermögensbildung mit Vehemenz zu Felde ziehen. Ob es Hanns Martin Schleyer ist, Präsident der Arbeitgeberverbände, Hans-Günther Sohl vom Bundesverband der Deutschen Industrie oder Otto Wolff von Amerongen, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages: Sie alle lehnen die Pläne der Regierung kompromißlos ab.

Auch die Industrie- und Handelskammern beeilen sich mit Veröffentlichungen, in denen sie die Absichten von FDP und SPD laut beklagen. Typisch dafür ist die Kammer zu Hagen, die einem beflissenen „Ja zur Vermögensbildung“ sofort die Feststellung folgen läßt, daß das Konzept der Koalitionsparteien „unannehmbar“ sei.

Gewiß, beide Gesetzesentwürfe sind nicht der Weisheit letzter Schluß. Viele Bestimmungen sind am grünen Tisch erdacht worden und zudem das Ergebnis fragwürdiger Kompromisse. Die Bedenken, die sie hervorrufen müssen, sind in dieser Zeitung auch sehr nachdrücklich formuliert worden.

Doch wer heute das Wehklagen im Unternehmerlager beobachtet, muß fast den Eindruck gewinnen, das ganze Unglück sei über Nacht über diese bedauernswerte Gruppe hereingebrochen, die sich gern selber als „Prügelknaben der Nation“ bemitleidet. Doch über Mitbestimmung und eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivvermögen wird in der Bundesrepublik seit Jahren diskutiert. Die Forderungen der Gewerkschaften und die Absichten der Vermögenspolitiker waren für niemanden ein Geheimnis. Und spätestens seit die Sozialdemokraten den Kanzler stellten, konnte kein Zweifel mehr daran bestehen, daß eines Tages die entsprechenden Gesetzesentwürfe auf dem Tisch liegen würden.

Was aber haben die Unternehmer bis zu diesem Tag getan? Haben sie ernsthaft versucht, sich in die Diskussion einzuschalten? Haben sie eigene Vorschläge vorgelegt? Haben sie sich mit den Gewerkschaften an einen Tisch gesetzt, um von „Praktiker zu Praktiker“ über Lösungen zu diskutieren, die sich im Unternehmensalltag besser bewähren könnten als Koalitionskompromisse?

Davon kann keine Rede sein. Diejenigen im Unternehmenslager, die bei der Beteiligung der Arbeitnehmer am Gewinn und Kapital vorangingen, sind trotz überzeugender Erfolge eine kleine, zum Teil verketzerte Minderheit geblieben. Auch Versuche, wie sie Herbert Quandt jetzt unternimmt (der den BMW-Mitarbeitern Schuldverschreibungen anbietet, deren Verzinsung ebenso hoch ist wie die Dividende, mindestens aber sieben Prozent) gehören zu den Ausnahmen, die die Regel bestätigen.