Schramberg

Wie ein Seestern greift die 20 000-Einwohner-Schwarzwaldstadt Schramberg in fünf Täler hinein, und wie ein Seestern seine Saugnäpfe streckt die Gemeinde ihre Fühler nach einem neuen Oberbürgermeister aus. Das jetzige Stadtoberhaupt beendet am 15. Oktober seine Amtszeit; und noch ist kein Nachfolger in Sicht. Die CDU, die in dieser Stadt und auf dem Rathaus das Sagen hat, hält zwar mit ihrem Fraktionsvorsitzenden, einem Rechtsanwalt, einen Kandidaten in der Hinterhand, der schon lange direkt gegenüber dem Rathaus seine Kanzlei hat.

Ob er aber der richtige Mann ist, bezweifeln all jene, die schon davon gehört haben, wie in diesem Städtchen so manches Geschäftliche mit Politischem verknüpft wird. Und da die „Sozis“ in dem Städtchen mit seinen drei geschichtsträchtigen Burgen ohnehin nicht viel, die Freien Demokraten sogar noch weniger zu sagen haben, hat der Mann der Liste vier, Wilfried Amann, etwas unternommen. Er möchte den örtlichen Personaldschungel durchhauen und sucht deswegen kurzerhand mittels Anzeige in der Frankfurter Allgemeinen einen Managertyp – „keinen Funktionär, keinen Bürokraten“ – für den frei werdenden Bürgermeisterposten. „Anruf genügt!“

Umgehend bekundeten über 20 Kandidaten – Politiker, Wirtschaftler, Halb-, Beinahe- und Vollmanager – ihr Interesse: Damit ist also sicher, daß die Liste vier, die Liste der Freien Wähler, die nur mit einem Mitglied im Stadtrat vertreten sind, im Herbst bei der Wahl einen eigenen Bewerber für den Bürgermeisterposten präsentieren kann. Daß er von „draußen“ kommt, stört Amann nicht. Warum soll nicht auch einmal ein parteiloser Bürgermeister, dem die Verflechtungen und Verfilzungen unbekannt sind, das Zepter in die Hand nehmen, meint der parteilose Inserent. E. R.