Viele Unternehmen sagen heute die Lieferung ihrer Ware nur noch mit „offenen Preisen“ zu. Es ist üblich geworden, in Kaufverträge die Formel aufzunehmen: „Wir behalten uns vor, die Preise noch einmal zu überprüfen.“ Und in den meisten Fällen wird von der Vorbehaltsklausel Gebrauch gemacht. Was kann heute alles zwischen dem Abschluß eines Kaufvertrages und seiner Erfüllung liegen: Tarifabschlüsse, Ölpreiserhöhungen, abrupte Erhöhungen der Rohstoffpreise.

Kein Verkäufer ist um die Begründung einer Preiserhöhung verlegen. Und was noch schlimmer ist: Die Käufer schlucken beinahe jede Preiserhöhung widerstandslos. Der Pessimismus hat weit um sich gegriffen.

In solchen Zeiten haben es die gesetzlich beauftragten Hüter der Geldwertstabilität schwer. Bundesbankpräsident Klasen weiß das. Aber er will, wenn er schon nicht erfolgreich sein kann, wenigstens gerecht sein. Deshalb ermahnt er nicht nur die Gewerkschaften, sondern bei passenden Anlässen auch die Unternehmer, nicht alles zu nehmen, was der Markt hergibt. Das ist ehrenwert, aber wirkungslos. Denn hohe Inflationsraten sind der ärgste Feind gesamtwirtschaftlicher Rücksichten. Heute gilt: Der brave Mann denkt an sich – selbst zuletzt. R. H.