Die Stimmung auf den Aktienmärkten ist besser geworden. Zum Teil liegt dies an den Gewinnvorausschätzungen der Degab, einer Anlageberatungsgesellschaft der Deutschen Bank, die für 1974 vier Prozent höhere Gewinne je Aktie prognostiziert, natürlich nur im Durchschnitt. Hinzu kommt, daß die Bundesrepublik als Anlageland für Ausländer allmählich wieder interessanter wird. Zu den bevorzugten Papieren zählten in den letzten Tagen die lange Zeit „unterbelichteten“ Aktien der deutschen Großchemie. Es hat sich herumgesprochen, daß BASF, Bayer und Hoechst mit den hohen Ölpreisen sehr viel besser fertig werden, als man zunächst befürchten mußte.

Trotz des Stahlbooms wagen sich vorerst nur wenige Anleger an die deutschen Stahlaktien. Dahinter steckt die Furcht, daß die „goldenen Zeiten“ dieser Branche rasch wieder beendet sein könnten, und zwar so schnell, daß die Aktionäre nicht in ihren Genuß kommen. Nicht alle Unternehmen dürften so entschlossen wie Thyssen die Dividende heraufsetzen. Daß die Auto- und Reifenaktien von der Tempofreigabe auf den Autobahnen profitieren würden, war zu erwarten. Natürlich können die Kurse hier wegen der kritischen Absatzsituation nicht in den Himmel wachsen. Schließlich sagt die Degab für diese Branche für 1974 einen Gewinneinbruch von 15 bis 20 Prozent voraus; übertroffen nur noch von den Bauunternehmen, bei denen die Gewinne möglicherweise um mehr als 20 Prozent schrumpfen werden. K. W.