Von Frank Grätz

Neueste Untersuchungen über die soziale Situation von Führungskräften in der Bundesrepublik haben ergeben, daß die Mehrzahl bereits berufliche Auslandserfahrung durch Dienstreisen oder längere Aufenthalte hat. Gleichzeitig haben immer mehr Unternehmen Kontakte. mit ausländischen Führungs- und Fachkräften. Das betrifft ebenso multinationale Unternehmen wie auch Betriebe mit direktem und indirektem Export, Import oder Investitionen im Ausland. Dadurch steigt das Interesse, aber auch die objektive Notwendigkeit, sich um die Vergütung von Führungskräften im Ausland und den damit in Verbindung stehenden Problemen zu beschäftigen.

In einem Report haben sich jetzt die drei Firmen Inbucon (London), Institut Technique des Salaires (Paris) und Kienbaum Unternehmensberatung (Gummersbach) bemüht, für die drei wichtigsten EG-Staaten Einkommen, Lebensniveau und Lebenshaltungskosten von Führungskräften vergleichend darzustellen (Eurosalaire, Gehälter und Kosten der Lebenshaltung, London, Paris und Gummersbach 1973).

Die Tabelle zeigt für typische Middlemanagement-Positionen große Einkommensunterschiede zwischen Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland. Überraschend niedrig ist der Gehaltsstandard in Großbritannien. Zum Teil ist er künstlich durch die veränderten Währungsparitäten reduziert, andererseits spielt eine geringere Rentabilität britischer Unternehmen eine Rolle, die zu geringeren Einkommenssteigerungen in den letzten Jahren führte.

Deutsche Führungskräfte, und das gilt für Spezialisten wie Hochschulabsolventen, kommen im Bruttoeinkommen am besten weg. Allerdings haben sie im Vergleich zu ihren französischen Kollegen eine sehr hohe Steuerbelastung (bis 53 Prozent). Auf dem ohnehin relativ niedrigen Einkommen englischer Manager lasten zusätzlich besonders hohe Steuern und Sozialabgaben (Spitzenverdiener müssen fast 90 Prozent Steuern zahlen). Der Franzose dagegen kommt recht gut mit dem Finanzamt aus. Seine Belastung von 16,3 Prozent erscheint für deutsche Führungskräfte märchenhaft niedrig. Die im Vergleich zu deutschen geringeren Einkommen französischer Manager werden dadurch mehr als ausgeglichen.

Übrigens wurden bei der Errechnung der Steuern nicht die offiziellen Steuertabellen als Grundlage genommen, sondern die wirklich bezahlten Steuern beziehungsweise die offiziellen Steuerstatistiken. Man muß diese Zahlen als Zeichen dafür nehmen, daß die überdurchschnittlich Verdienenden auch besonders begabt sind, Steuern zu sparen; eine Feststellung, die durchaus nicht ironisch gemeint ist.

Das Nettoeinkommen sagt aber nur wenig darüber aus, wie hoch die Lebenshaltungskosten sind. Deshalb wurde anschließend untersucht, wie das Nettoeinkommen verausgabt wird. Um reale Werte zu erhalten, wurden, soweit möglich, amtliche Statistiken und Marktforschungsergebnisse herangezogen und eigene Befragungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, daß Unterschiede in den Lebenshaltungskosten und Konsumgewohnheiten entscheidend sind.