Zum erstenmal seit 1910 hat wieder ein deutsches Staatsoberhaupt Belgien besucht. Bundespräsident Heinemann beendete mit dieser dreitägigen Staatsvisite die insgesamt 14 offiziellen Auslandsreisen seiner fünfjährigen Amtszeit.

Die Brüsseler Zeitung La Cité versah einen Artikel mit der deutschen Überschrift „Willkommen, Herr Bundespräsident“ und kennzeichnete damit die öffentliche Meinung Belgiens gegenüber der Bundesrepublik.

Das deutsch-belgische Verhältnis, durch zweimalige deutsche Invasion geschichtlich belastet, ist heute dennoch problemlos. Schon 1946 hatten beide Nachbarn einen Strich zu ziehen versucht, indem sie einen Grenzvertrag ohne Gebietsansprüche und ein Abkommen über die Entschädigung der Kriegsopfer unterzeichneten. Von belgischen Bankiers kamen die ersten Aufbaukredite für die deutsche Wirtschaft. Auf der Ebene der Staatsoberhäupter tat König Baudouin 1971 den ersten Schritt und kam nach Deutschland.

Heinemann achtete bei seinem Gegenbesuch auf sorgsame Balance zwischen dem wallonischen und dem flämischen Landesteil. Außer in die zweisprachige Hauptstadt Brüssel fuhr er nach Antwerpen und nach Lüttich. Durch Kranzniederlegungen in Langemarck, Lommel und dem deutschen Häftlingslager Fort Breendonk wurde beider Weltkriege gedacht.