ZEIT: Herr Friderichs, Sie bemühen sich nach der Ölkrise engagiert um eine Sicherung unserer langfristigen Versorgung mit Energie, vor allem mit Mineralöl. In der Bundesrepublik selbst planen Sie die Bildung eines starken deutschen Ölkonzerns als Gegengewicht zu den internationalen Gesellschaften; daneben forcieren Sie eine enge industrielle Kooperation vor allem mit dem Iran, wo mit deutscher Hilfe eine riesige Exportraffinerie errichtet werden soll. Trotz Ihrer optimistischen Ankündigungen kommen jedoch beide Vorhaben nicht so recht voran. Haben Sie die Schwierigkeiten unterschätzt?

Friderichs: Daß beide Projekte nicht leicht zu realisieren sein würden, war uns immer klar. Es handelt sich, um bei der Raffinerie zu bleiben, um eine Anlage, die zu den größten der Welt gehört. Sie soll zudem in einem Land mit einem ganz anderen Ordnungssystem und zunächst auch ganz anderen Vorstellungen über dieses Projekt errichtet werden.

ZEIT: Könnten Sie die Unterschiede vielleicht näher erläutern?

Friderichs: Es gab drei Varianten für die Raffinerie: hundertprozentiges Eigentum der Iraner, hundertprozentiges Eigentum des deutschen Konsortiums ...

ZEIT: ...also Veba, Gelsenberg, UK Wesseling, BP und Deutsche Shell.

Friderichs: Ja. Und schließlich ein „Joint Venture“, also eine Beteiligung 50:50. Ich hoffe, daß die größten Schwierigkeiten jetzt jedoch ausgestanden sind und daß bei meinem Besuch Ende April das Projekt – wenn nicht unterschriftsreif – so doch einen guten Schritt weiter sein wird. Ich glaube, daß die größte Wahrscheinlichkeit jetzt eine 50:50-Beteiligung hat.

ZEIT: Wenn wir richtig informiert sind, steht eine Einigung über eine langfristige Preisfixierung für das in der Iran-Raffinerie verarbeitete Rohöl jedoch noch aus, mit dem das Projekt steht oder fällt.