An dieser wilden Jagd, einer "Pferderennen" genannten Lithographie aus dem Band "Schattenspiel" von Franz Pocci, erfreuten sich um 1847 Kinder. Heute sind die Zeichnungen, Holzschnitte, Lithographien, Aquarelle und Radierungen des Grafen Pocci das Entzücken der Erwachsenen. Und so wird man nicht darauf warten müssen, bis der von Marianne Bernhard herausgegebene Band der "Gesamten Druckgraphik" des spätromantischen Dichters, Malers und Komponisten als kostbares Strandgut der "Nostalgie"-Welle zu den Akten genommen wird. Damit geschähe beiden Unrecht: dem 1807 in München geborenen Sohn eines italienischen Grafen und der Freiin von Posch und der Herausgeberin, die mit dem preiswerten Buch die Reihe "Europäische Graphik von 1500 bis 1800 in Gesamtausgaben" des Münchner Verlages Rogner & Bernhard um den bisher vergnüglichsten Band erweitert. Es ist das Verdienst dieser Ausgabe, an einen fast vergessenen Mann zu erinnern, der seinem bayerischen Vaterland als Zeremonienmeister, Musik-Intendant und Oberstkämmerer diente und "nebenher" noch die deutsche Literatur um Kasperlkomödien und Puppenspieltexte bereicherte, in denen das romantische Märchen mit satirischen und zeitkritischen Anspielungen gewürzt wird. Eugen Roths Vorwort, das den "Malerpoeten" und "Dilettanten" in der Nachfolge des "freilich weit genialeren E. T. A. Hoff mann" vorstellt,und dieser Bildband, der zum ersten Mal die gesamte Druckgraphik in den besten Beispielen reproduziert, das übrige auf vierunddreißig Seiten zitiert und dokumentiert, könnten dazu beitragen, das Werk einer der skurril liebenswürdigsten Gestalten der deutschen Literatur- und Kunstgeschichte wieder lebendig werden zu lassen. (655 S., 700 Abbildungen; bis zum 31. Juli 49,– DM, später 64,– DM.)

Rolf Michaelis