Der oppositionelle tschechische Schriftsteller Pavel Kohout wehrt sich in einem offenen Brief gegen Angriffe des Parteiorgans „Rude Pravo“:

„Meine ganze schöpferische und öffentliche Tätigkeit beweist, daß ich meine Grundüberzeugung niemals geändert habe: Ich war und bin auch ein konsequenter Sozialist geblieben. Ich strebe eine offene sozialistische Gesellschaft an, in der aus uns niemals mehr ein einzelner Mensch oder eine kleine Gruppe Schafböcke machen können.

Ich sehe es nicht als Verrat an, daß Ich mich getrennt habe von denen, die sich an den Gesetzwidrigkeiten der fünfziger Jahre beteiligt haben, und von denen, die durch verzerrte Informationen den Eingriff der Truppen des Warschauer Vertrages im August 1968 verursacht haben, und von jenen, die für die Schäden der siebziger Jahre verantwortlich sind... Ich sehe es nicht als Verrat an, wenn ich künstlerisch im Ausland als tschechoslowakischer Bürger im zeitweiligen Engagement tätig Sein will. Wenn behauptet wird, daß mein Werk im Westen nur dank meiner politischen Haltung Erfolg hat, ist es im Interesse des Staates, eine Situation herzustellen, in der für meine Arbeit normale Maßstäbe gelten werden.

Falls sich an meiner rechtlosen Situation, in der ich schon das fünfte Jahr meiner besten Jahre des künstlerischen Lebens verliere, auch in Zukunft nichts ändern wird, lehne ich es ab, als Verrat anzusehen, wenn ich mich an alle zuständigen Stellen wenden werde. Ich bin bei weitem nicht der einzige, der in Böhmen so betroffen ist, und Böhmen ist bei weitem nicht das einzige Land, in dem es zu solchen Verfolgungen kommt. Ich bin deshalb der Ansicht, daß sich mit den Fragen der Existenz jener Bürger, die im eigenen Land für ihre Anschauungen verfolgt werden, grundsätzlich auch die ,Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa’, die eben tagt, befassen muß. Sonst bleibt die Sicherheit und Zusammenarbeit nur ein bloßer politischer Slogan.“