Zum drittenmal innerhalb eines Monats hat die SPD eine Wahlniederlage erlitten. Nach den Stimmenverlusten bei den Bürgerschaftswahlen in Hamburg und den Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz setzte sich der negative Trend am Sonntag bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein (und bei kommunalen Teilwahlen in Nordhessen) fort.

Im nördlichsten Bundesland konnte die CDU ihren Vorsprung in der Wählergunst stark vergrößern. Sie verbesserte sich von 45,4 Prozent (1970) auf 53,1 Prozent. Umgekehrt sank der Prozentanteil der Sozialdemokraten von 43,5 auf 35,6. Die Freien Demokraten konnten ihre Präsenz in den Rathäusern relativ stark erhöhen: Von 5,7 auf 9,0 Prozent aller Stimmen.

Die Union drang vor allem in den Städten vor. In Lübeck und Neumünster errang sie die absolute Mehrheit und wurde auch in Kiel und Flensburg stärkste Fraktion.

In Lübeck fiel für die Sozialdemokraten erschwerend ins Gewicht, daß der Senator für Liegenschaften, Werner Leverenz, zwei Tage vor den Wahlen demonstrativ aus der SPD ausgetreten war, der er seit 44 Jahren angehörte. Leverenz, Jugendfreund von Willy Brandt, begründete seinen Schritt mit einem „Kurswechsel“ der Partei. Die Lübecker SPD sei eindeutig auf ultra-links eingeschworen“, erklärte der 62jährige und fügte hinzu: „Diese SPD ist nicht mehr meine Partei.“

Zum Wahlausgang sagte der schleswigholsteinische Ministerpräsident Stoltenberg (CDU), die SPD habe eine „vernichtende Niederlage“ erlitten. SPD-Oppositionsführer Matthiesen sah die Schlappe als Glied in der Reihe der vorausgegangenen Stimmenverluste und erklärte ohne Überraschung: „Es wäre ein Wunder gewesen, wenn die SPD in Schleswig-Holstein das aufgefangen hätte, was in Hamburg und Rheinland-Pfalz begonnen hat.“

Erfreut reagierte die FDP auf das Ergebnis vom Sonntag. „Wenn wir kein dummes Zeug machen, werden wir im nächsten Jahr wieder in den Schleswig-Holsteinischen Landtag einziehen“, verkündete der Landesvorsitzende Ronneburger.

Bei kommunalen Nachwahlen in drei nordhessischen Landkreisen sank der Prozentanteil der bisher führenden Sozialdemokraten von 55,4 auf 44,4, während sich die CDU von 33,5 auf 42,8 Prozent verbesserte. Die FDP bestätigte ihren Aufwärtstrend mit einer Steigerung von 7,8 auf 8,7 Prozent.

Am Dienstag zog das SPD-Präsidium in Bonn eine erste Konsequenz und veranlaßte die Ausarbeitung einer Analyse über die Situation der Partei. Sie soll als Grundlage der Überprüfung der SPD-Arbeit auf allen Ebenen dienen.