Von Dietmar Merten

Das Auto ist ins Gerede gekommen. Es werden weniger Autos verkauft, auch die Werkstätten haben weniger zu tun. Wer sich bei seiner Berufswahl nicht von modischen Gesichtspunkten leiten läßt, kann die Konsequenzen dieses Wandels für die eigene berufliche Zukunft nicht übersehen.

Die Entwicklung der Technik trägt ebenfalls dazu bei, Gesicht und innere Struktur des Kfz-Gewerbes zu verändern. Auf der einen Seite sind die Konstrukteure bestrebt, Reparaturen durch Zusammenfassung einzelner Aggregate zu integrierten Systemen zu vereinfachen, ein Stückchen Wegwerfindustrie ins Auto einzubauen. Wo er früher „pfriemeln“ mußte, braucht der Mechaniker heute oft nur noch einfache Routinehandgriffe zu machen.

Darüber hinaus hat die Technik einen Standard erreicht, der viele Reparaturen gar nicht mehr auftreten läßt, die früher gutes Geld brachten. Spürbarste Auswirkung dieser für den Autokonsumenten erfreulichen Entwicklung: Die Inspektionsintervalle und die Zeit, die das Fahrzeug in der Werkstatt zur Reparatur bleiben muß, verkürzen sich ständig. Anfang 1973 etwa betrug, die durchschnittliche Durchlaufzeit eines Wagens noch 3,1 Stunden, ein Jahr später 2,7 Stunden. Verbesserte Konstruktion wie auch neue Diagnose- und Reparaturmethoden erhöhen also die Arbeitsleistung eines Kfz-Handwerkers ganz rapide.

Auf der anderen Seite lassen Sicherheits- und Umweltforderungen die Autos selber und das Werkstattgerät von Jahr zu Jahr komplizierter werden. Damit’ steigen die Anforderungen an die Fähigkeiten zumindest der Spitzenkräfte in den Werkstätten.

Bei den Spitzenverbänden des Kraftfahrzeuggewerbes zieht man aus diesen Entwicklungen den Schluß, daß gute Leute womöglich noch steigende Chancen haben, ihr Können lukrativ an den Mann zu bringen. Routinearbeiten hingegen glaubt man, in steigendem, wenn auch immer begrenztem Maße auf ungelernte oder angelernte Kräfte übertragen zu können. Das Gros der Arbeiten wird jedoch auf absehbare Zeit nach Expertenmeinung Sache, herkömmlich ausgebildeter Mechaniker bleiben.

Der Zahlungsmodus im Kfz-Gewerbe wird sich aus diesen Gründen ebenfalls im Laufe der Zeit ändern. Lange Zeit dominierte das Prinzip des Leistungslohnes. Es wird schon jetzt, erst recht aber in Zukunft, verwässert. Fehlerdiagnosen zum Beispiel kann man schlecht im Akkord erstellen; das ist Kopfarbeit, die auch woanders nicht am Fließband gemacht wird. Vor allem in spezialisierten Betrieben dagegen werden Leute, die einen Auspuff besonders schnell auswechseln, Reifen geschickt montieren oder andere Routinearbeiten beherrschen, nach wie vor echten Leistungslohn beziehen können.