Ein deutsches Firmenkonsortium verwirklicht eines der größten Industrieprojekte in der Geschichte der Sowjetunion: das lange diskutierte Stahlwerk bei Kursk. Als sensationell wurde in diesem Zusammenhang vermerkt, daß die Sowjets die Kosten der ersten Ausbaustufe im Wert von 2,5 Milliarden Mark in bar bezahlen wollen.

Die drei deutschen Industriellen Birnbaum (Salzgitter AG), Korf (Korf Stahl AG) und Mommsen (Fried. Krupp GmbH) waren am Mittwoch voriger Woche unbemerkt nach Moskau gereist. Ihre Anwesenheit wurde erst bekannt, als die Geschäftspartner den Vertrag am folgenden Tag unterzeichneten.

Bis zur Inbetriebnahme werden voraussichtlich noch vier Jahre vergehen.

Die Zusage der Sowjets, den Auftrag auch ohne Kredite in die Bundesrepublik zu vergeben, war vermutlich schon in dem Schreiben Breschnjews enthalten, das Bundesminister Bahr am 10. März für Bundeskanzler Brandt aus Moskau mitgebracht hatte. Regierungssprecher Grünewald sagte vor der Presse, angebliche Kreditzusagen durch Bahr seien reine Unterstellungen gewesen. Es handele sich vielmehr um „Barzahlung ohne h“.