Hamburg, den 1. April 1974

Asterix ist keine Erfindung profitorientierter Comic-Strip-Produzenten. Professor Hugo Borger, dem Direktor des neueröffneten Römisch-Germanischen Museums in Köln, ist es endlich gelungen, seine historische Existenz nachzuweisen. Bei archäologischen Grabungen in der Bretagne stieß er auf wohlerhaltene versteinerte Wildschweine und einige Hinkelsteine, die deutliche Hinweise auf die Lebensgewohnheiten von Asterix und seinen Freunden geben; eine Nachbereitung des Zaubertranks, der Asterix und Obelix ihre gewaltigen Körperkräfte verlieh, glückte den Wissenschaftlern noch nicht, indessen hofft man durch die spektroskopische Untersuchung eines Bronzekessels dem Rezept auf die Spur zu kommen. Die Fundstücke aus dem umfangreichen Grabungs- und Forschungskomplex, unter anderem mehrere goldene Druiden-Sicheln, werden in einem Sondertrakt des Römisch-Germanischen Museums ausgestellt, der schon vor Baubeginn wegen Überfüllung geschlossen werden mußte.

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Ein nach den monatelangen parteipolitischen Rangeleien um die Besetzung des Intendantenpostens am NDR zwischen Abgeordneten der drei im Bundestag vertretenen Parteien ausgehandelter Kompromiß hat Aussicht, vom 1. 4. 1974 an für das gesamte Bundesgebiet Geltung zu erlangen. Wie die in Medienpolitik erfahrenen Politiker Steiner und Bäuchle auf einer Pressekonferenz des sonntäglichen „Frühschoppens“ mitteilten, sollen in Zukunft SPD am Montag, Mittwoch und Freitag, CDU am Dienstag, Donnerstag und Samstag, die FDP am Sonntag für die Sendungen verantwortlich sein. Um der SPD Ausgleich für die ihr entgehende Sendung „Das Wort zum Sonntag“ zu gewähren, erklärte sich CDU-Sprecher Schwarz-Schilling bereit, „bis zur Machtübernahme durch die CDU“ Bundeskanzler Brandt in monatlichem Turnus auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen. Die christlichen Demokraten machen allerdings zur Bedingung, daß die von (Pfarrerssohn) Klaus Harpprecht zu verfassenden Predigttexte dem ehemaligen Bundestagspräsidenten, Oberkonsistorialrat Gerstenmaier, zur Einsicht vorgelegt werden. Ex-Juso-Chef Roth hat diese Forderung als „theologische Zensur einer auf Systemüberwindung zielenden Reformpolitik“ zurückgewiesen. Regierungssprecher von Wechmar (FDP) dementierte Äußerungen, seine Partei verfolge die Absicht, als sonntägliches Pausenzeichen die Anfangstakte des vom Parteivorsitzenden, Außenminister Scheel gesungenen Liedes „Hoch auf dem gelben Wagen“ zu Gehör bringen zu lassen.

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Bekanntlich beklagte der französische Kulturminister, der Trivialromancier Maurice Druon, kurz nach der Amtsübernahme im vorletzten Frühjahr, daß den großen Männern heutzutage keine Denkmäler mehr zur allgemeinen Erbauung und Belehrung errichtet werden. Seitdem beschäftigt sich eine französisch-deutsche Kulturkommission mit diesem ministeriellen Hinweis. Soeben veröffentlichte sie eine 578 Seiten starke Studie, in der die sofortige Errichtung von Denkmälern für die großen Männer der Zeitgeschichte empfohlen wird. Nach reiflicher Erwägung des Für und Wider wird von der Anfertigung von marmornen oder bronzenen Reiterstandbildern abgeraten, da diese „dem Geist unserer Zeit einen adäquaten Ausdruck zu verleihen nicht mehr geeignet sind und folglich ihre volkspädagogische Wirkung verfehlen müßten“. Statt dessen wird geraten, den Monument-Gedanken durch neuere Kunststile zu bereichern; bleiben sollte es bei der Verbindung von Staatsmann und Transportmittel. Zunächst sollen in Bonn längs der Adenauerallee die deutschen und französischen Staatsoberhäupter der Nachkriegszeit in ihren Staatslimousinen aufgestellt werden; die Plastiken sollen aus Plastik gegossen werden und zehnfache Originalgröße haben. So wird Heinrich Lübke in einem Mercedes 600 sitzen und auf Knopfdruck von Passanten eine Tonaufnahme seiner berühmten Rede bei der Rückkehr aus Kanada hören lassen.

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