Der Chef der gewerkschaftseigenen Wohnungsgesellschaft „Neue Heimat“, Albert Vietor, unterstützt die zunächst im Bereich der Realkreditinstitute erhobene Forderung nach Neuauflage sogenannter steuerfreier Pfandbriefe. Aus den Anfangszeiten des Wohnungsbaus nach dem Kriege existieren noch heute Pfandbriefe und Kommunalobligationen, deren Zinsen von fünf bzw. 5 1/2 Prozent von ihren Besitzern steuerfrei vereinnahmt werden können. Das macht sie zu beliebten Titeln, besonders bei Großverdienern.

Während aber die Realkreditinstitute die Steuerfreiheit als Ausgleich für Inflationsverluste fordern, möchte Victor auf diese Weise billiges Kapital für den immer mehr ins Stocken geratenen sozialen Wohnungsbau mobil machen. Die offenen Subventionen der öffentlichen Hand reichen nach seiner Meinung längst nicht mehr aus.

Aber sind neue „Steuerfreie“ überhaupt zu verantworten? Man muß sich darüber im klaren sein, daß mit ihnen wieder Steuerschlupflöcher für Großverdiener geschaffen werden, denen ja gerade die SPD mit der Heraufsetzung der Steuer-Eckwerte ans Leder will. Andererseits: Ist es nicht ehrlicher, die Wohnungsbau-Subventionen über die Etats offen auszuweisen? Dann wissen wir, was uns der soziale Wohnungsbau kostet. Wenn wir ihm über steuerfreie Pfandbriefe schleichende Hilfe gewähren, wissen wir das nicht. Bitte auch hier volle Transparenz! K. W.