Mit Anzeigen finanzieren westdeutsche Firmen das kommunistische UZ-Messe-Magazin

Was Kommunisten lange Jahre für verwerflich hielten und erst später entdeckten, praktizieren sie nun undogmatisch und ungeniert: die Reklame. Und was Kapitalisten zutiefst verdammen, helfen sie indirekt selbst mit zu finanzieren: die auf Systemveränderung bedachten Kommunisten. Das Motiv, mit dem beide Seiten sich entgegenkommen, ist das Geld.

Alle Jahre wieder, zweimal im Jahr zur Leipziger Messe, bringt die Dr. Wenzel Verlag GmbH in Duisburg ein auf Hochglanz geputztes Magazin heraus. Titel: Unsere Zeit UZ-Messe-Magazin. Zum Verständnis: Die UZ (Unsere Zeitung) ist das Organ der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), das im gleichen Verlag erscheint und täglich in rund 50 000 Exemplaren die „Profitgier der Konzerne“ geißelt.

Der Profit freilich ist den Genossen von der DKP längst ein Begriff, den sie auch zum eigenen Wohlergehen begriffen haben. Sie selbst nehmen, was sie nehmen können, auch von den Konzernen, die sie sonst bekämpfen. Im „UZ-Messe-Magazin“ beispielsweise finden sich Inserate bedeutender Konzerne aus der Bundesrepublik. Und den potentiellen Anzeigenkunden für das Magazin verspricht die Anzeigenleitung, „die Gelegenheit durch Inserate zu den Leipziger und anderen Messen des RGW (Comecon)-Raumes einen interessanten und stabilen Markt zu erfassen, der sich von Westeuropa bis nach Moskau erstreckt“.

Zum Beweis dafür, daß renommierte Firmen von der UZ-Messe-Magazin-Gelegenheit auch Gebrauch machen, zählt ein Werbeprospekt die Namen bisheriger Inserenten auf, so unter anderem: Salzgitter AG, Salamander, Preussag, Mauser Werke, Degussa, Enka-Glanzstoff.

Auch in diesem Frühjahr waren wieder viele Firmen dabei, selbst solche, deren Konzernherren, sonst schon rot sehen, wenn Reformen auf dem Boden der Marktwirtschaft angepeilt werden. Beispiel: Die Oetker-Außenhandels-Gesellschaft des Bielefelder Fabrikanten und Reeders Rudolf August Oetker wirbt viertelseitig in dem UZ-Messeblatt für „Söhnlein Brillant“, den Sekt „mit den 3 Karat“. Oetkers Presse- und PR-Chef Peter von Eckardt weiß sein Haus „in guter Gesellschaft“ und äußert sich über das Motiv für die Anzeigen-Freudigkeit seiner Firma ähnlich knapp wie dies Messe-Magazin-Verlagsleiter Wilhelm Schwettman auf Befragen tut: Marken Werbung.

Ein Sprecher von Metzeler meint etwas deutlicher: „Wir sind zweimal im Jahr auf der Leipziger Messe vertreten. Wir haben eine Vertretung in Ostberlin, und für unsere Geschäftsbeziehungen in der DDR ist es gut, zu inserieren. Das ist so eine Art good will für unsere Leute drüben.“