Planungsfehler und Verschwendungssucht bei neuen Ministerien in Bonn

Es gibt weder Pathos noch Monumentalität“, verkündete der Präsident der Bundesbaudirektion, Wolfgang Leuschner, als er dem’Bonner Justizminister Gerhard Jahn im vergangenen Jahr seinen Neubau übergab.

Pathos und Monumentalität ist den Bonner Neubauten für Justiz-, Wissenschaft- und Technologieministerien in der Tat kaum nachzusagen, wohl aber ein gigantischer Kostenanfall. Dabei sind es weniger die Baukosten des neuen Komplexes (insgesamt 176 Millionen Mark), die aus dem Rahmen des üblichen fallen. Die Verschwendungssucht der Bürokratie zeigt sich bei den Kosten für die Unterhaltung.

Die Vorstellung, eine Konzentration der bisher auf mehr als ein Dutzend Gebäude zersplitterten Ministerien werde die Unterhaltskosten erheblich senken, erwies sich als trügerische Hoffnung, die nur für die Zeit der Planung galt. Nun, nachdem die Bauten vollendet sind, kann die Verwaltung auch bei der Unterhaltung aus dem vollen schöpfen. Denn geändert werden kann nichts mehr.

1971 hat die Bewirtschaftung der Grundstücke, Gebäude und Räume der drei Ministerien (Justiz, Bildung und Forschung) rund eine Million Mark im Jahr gekostet, nach Bezug der Neubauten wird die nunmehr „rationellere“ Unterhaltung nahezu das Fünffache kosten.

Die Verteuerung der Unterhaltung haben die Haushaltsexperten der Ministerien indes raffiniert verschleiert. Im Haushaltsplan des Justizministeriums wird von 137 000 Quadratmeter Nutzfläche ausgegangen, in den Ressorts von Wissenschaft und Technologie von 26 000 Quadratmeter. Bezogen auf insgesamt 163 000 Quadratmeter Nutzfläche würden sich die Gesamtkosten für die Bewirtschaftung damit durchaus im Rahmen der in der freien Wirtschaft üblichen Grenzen halten.

Bei der Bundesbaudirektion freilich rechnet man anders. Danach sind bislang erst rund 100 000 Quadratmeter Nutzfläche fertiggestellt, wobei in dieser Rechnung allein 31 000 Quadratmeter für die Tiefgarage enthalten sind. Damit ist die effektiv genutzte Bürofläche nur etwa 70 000 Quadratmeter groß. Geht man von dieser Größenordnung aus, dann sind die Bewirtschaftungskosten nahezu doppelt so hoch wie sonst üblich.