Seit fünfzehn Jahren hat die Bundeswehr nun schon ihren Ombudsman, den Wehrbeauftragten, und man hört nur alle Jahre einmal von ihm, wenn er dem Parlament seinen Erfahrungsbericht vorlegt. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen, obwohl die Ärgernisse aus früherer Zeit nicht nur die Person der Amtsinhaber betrafen. Gelegentlich wurde Skandalöses über die Praxis der inneren Führung und über die Verletzung von Grundrechten im militärischen Alltagsbetrieb vermeldet, ohne daß es in Bonn die Abgeordneten von den Stühlen riß.

Anscheinend gibt es dergleichen heute nicht mehr. Jedenfalls hat der fleißig von Standort zu Standort reisende Fritz Rudolf Schultz keine gravierenden Mängel festgestellt. Ein Major, der während eines Stabsoffizierlehrgangs die Vereinbarkeit von Juso-Mitgliedschaft und Stabsoffizierfunktion in Zweifel zog, erscheint im jüngsten Bericht geradezu als Nonplusultra der Intoleranz; schwerwiegende Grundrechtsverletzungen wurden nicht bekannt. Andererseits besteht auch kein Anlaß zur Klage über mangelnde Disziplin, abgesehen von dem schier unlösbaren Problem der unerlaubten Entfernung von der Truppe – und des Alkoholismus.

Eine Armee, die im Ernstfall die Demokratie verteidigen soll, kann naturgemäß in Friedenszeiten vom Prozeß gesellschaftlicher Demokratisierung nicht ausgeschlossen bleiben. Es ist erstaunlich, wie gut die Bundeswehr dabei das Spannungsverhältnis zwischen notwendiger militärischer Subordination und staatsbürgerlichem Freiheitsanspruch bisher bewältigt hat.

H. Sch.