Die Christlichen Demokraten predigen gern Respekt vor dem einzelnen, und sie vor allem sind es, die sich – häufig durchaus zu Recht – über die Presse entrüsten, wenn diese einmal leichtfertig abträgliche Mutmaßungen als Tatsachen verbreitet und die Richtigstellung dann nur zögernd vornimmt. Aber einzelne – im Sinne der CDU/CSU – sind offenbar immer nur die aus den eigenen Reihen. Die Gegner sind Gruppen: unzuverlässige Verteidiger von Freiheit und Verfassung. Als Individuen werden sie nur apostrophiert, wenn es gilt, einen von ihnen als Buhmann aufzubauen, beispielsweise Sonderminister Egon Bahr.

Während Bahr in Moskau mit Breschnjew verhandelte, wurde „dieser Mann, der den letzten Rest von Glaubwürdigkeit eingebüßt hat“, wie Oppositionsführer Carstens formulierte, in abgefeimter Weise verdächtigt. Carstens sagte vor der Presse in Kiel, daß, anderslautenden Erklärungen zum Trotz, Bahr offenbar über verbilligte Kredite für die Sowjetunion verhandele. Strauß erklärte, daß er „die ausgehandelten Gegenleistungen (bisher hat der CSU-Chef immer bestritten, daß es solche überhaupt gibt) durch immer neue Entgegenkommen honoriere“. Narjes sprach von „politischen Krediten“, und Bonn hallte wider von den Vokabeln: „Reparationen“, „Zahlungsversprechungen“, „Zinsverbilligungen“, „Exportsubventionen“...

Nun, Egon Bahr kam zurück, und was stellte sich heraus? Nicht nur werden die Kredite für das Stahlwerk in Kursk nicht verbilligt, es werden überhaupt keine Kredite in Anspruch genommen: Die Sowjets zahlen 2,5 Milliarden Mark in bar. Aber ist diese Verhandlungsleistung irgendwo anerkannt worden? Oder wurden auch nur die früheren Verdächtigungen bedauert? Keiner verlor ein Wort darüber: Carstens nicht, Strauß, Marx, Narjes nicht und auch die niederen Chargen nicht, die sich an diesem Verleumdungsfeldzug beteiligt hatten: Abelein, Windelen, Hupka, Goetz. Dff