Die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen sind nach den Worten Breschnjews gut, „aber es gibt noch viel zu tun“. Der sowjetische KP-Chef sagte dies am Montag gegenüber Reportern, die den amerikanischen Außenminister Kissinger während seiner dreitägigen Moskaureise begleiteten. Kissinger revanchierte sich bei einem Essen gegenüber Breschnjews Äußerungen mit der Erklärung: „Unser größtes Ziel ist es, die Beziehungen, die zwischen unseren Völkern und ihren Führern gewachsen sind, in den nächsten drei Jahren unumkehrbar zu machen.“

Daß Kissinger sie nicht problemlos sieht, machte er bei derselben Gelegenheit klar: Wenn die beiden Staaten versuchen sollten, „aus der jeweiligen Situation des anderen Vorteil zu schlagen, einander zu erpressen oder von einer Position der Stärke aus zu verhandeln, dann wird es keinen Frieden unter uns oder in der Welt geben.“

Kissinger war am Sonntag abend in Moskau eingetroffen, unter anderem, um die für Juni geplante dritte Reise Präsident Nixons in die Sowjetunion vorzubereiten. Am Montag begannen die Gespräche mit Breschnjew Zu den Hauptthemen gehörte das Bemühen, den Genfer Gesprächen über die Begrenzung der strategischen Waffen (SALT) neue Anstöße zu geben. „Ich seie SALT optimistisch“, sagte Breschnjew.

Auch über die Europäische Sicherheitskonferenz wurde ausführlich gesprochen. Breschnjew sagte bekümmert zu Korrespondenten, dort gäbe es „einiges, was das Fortkommen ein bißchen schleppend macht“. Weitere Themen waren der Nahe Osten, der sowjetisch-amerikanische Handel und die Probleme jüdischer Emigration.

Am Sonntag hatte Kissinger auf dem Wege nach Moskau in Bonn Station gemacht. Hauptgesprächsthema bei diesem Zwischenaufenthalt war die Verbesserung des Konsultationsverfahrens zwischen Europa und Washington. Scheel unterrichtete Kissinger über die Bemühungen der neuen EG-Partner, in dieser Frage, die zu europäisch-amerikanischen Verstimmungen geführt hat, zu einer Einigung zu gelangen.