Von Rudolf Herlt

Zu den Publikumslieblingen unserer Zeit gehören die Banken gewiß nicht. Die Kritik an ihnen hat an Schärfe und Breitenwirkung erheblich zugenommen. Die systemfeindlichen Befürworter einer Verstaatlichung sitzen nicht mehr nur in den Randzonen unseres politischen Spektrums, sondern mitten in den Organisationen einer staatstragenden Partei, der SPD. Ihr Hauptvorwurf lautet schlicht, die Macht der Banken sei zu groß. Den Nachweis dafür wollen sie etwas grobschlächtig mit dem Vollmacht-Stimmrecht und den branchenfremden Industriebeteiligungen der Banken liefern. Die Universalbank, eine Art Supermarkt im Bankgewerbe, komme zu oft in Interessenkonflikte, die sie meist zu ihren Gunsten löse.

Die führenden Männer im privaten Bankgewerbe reagieren auf diese Herausforderung mit kleinmütiger Verzagtheit. Es war kein erhebendes Schauspiel, das sie in diesen Wochen auf dem Bankentag in Bonn und gelegentlich auch bei ihren Bilanz-Pressekonferenzen boten. Bis auf ganz wenige Ausnahmen erweckten sie dabei den Eindruck, daß sie sich in der Defensive am wohlsten fühlen. Sie wagen keine Attacken gegen die ideologischen Bastionen ihrer Bausch-und-Bogen-Kritiker und geraten immer mehr in den Verdacht, Banken müßten so zurückhaltend sein, weil sie etwas zu verbergen haben.

Dabei sind sie nicht besser und nicht schlechter als andere Institutionen unserer Gesellschaft auch. Natürlich haben sie Mängel. Sie lassen sich aber beheben, ohne daß gleich die ganze Welt umgekrempelt wird. Doch diesen Mängeln stehen so viele stabilisierende, sichernde, die Wirtschaft aller Schichten fördernde Funktionen gegenüber, daß man die defensive Haltung der führenden Bankiers nur mit einer vorübergehenden Störung ihres Selbstbewußtseins erklären kann.

Nicht, daß sie ihr Geschäft nicht Sie sind auf ihren Gebieten hervorragende Fachleute. Aber nur wenigen ist die Rolle der Banken im Koordinatensystem unserer freien Wirtschaft darzustellen, die Bezüge zu den anderen Gruppen der Gesellschaft deutlich zu machen und den Stellenwert zu bestimmen, der den Banken im Staat einer pluralistischen Gesellschaft zukommt. An diesen Punkten sind Bankiers, verwundbar.

Die Verteidigung der Banken ist schwach. Sie läßt den Schluß zu: Wenn die Angreifer den Prügel des Vollmacht-Stimmrechts nur lange genug mit drohender Gebärde schwingen, bringen sie Unsicherheit in die Reihen der Angegriffenen. Gegen den Vorwurf, über Aufsichtsratsmandate und Vollmacht-Stimmrecht seien sie die heimlichen Kontrolleure unserer Wirtschaft, wehren sie sich nur noch, indem sie ihn bestreiten. Gibt es nicht zahlreiche Beispiele, mit denen sie, ohne das Bankgeheimnis zu verletzen, zeigen könnten, daß auch Kontrolleure der Versuchung, des Machtmißbrauchs nicht erliegen?

Wenn Banken für Kunden, deren Aktiendepots sie verwalten, als Bevollmächtigte in den Hauptversammlungen das Stimmrecht ausüben, dann ist das sicher keine Ideallösung. Sie sollten sich deshalb an der gegenwärtigen Diskussion über Verbesserungsvorschläge beteiligen. Jeder Aktionär weiß, daß der Brief, in dem die Bank vor der Hauptversammlung um Weisungen bittet, aus Bequemlichkeit: und mangelnder Information meist unbeantwortet bleibt. Er macht dem Aktionär seine ganze Ratlosigkeit erst bewußt.