Neu in Museen und Galerien:

Hamburg Bis zum 20. April, Galerition Loeper: „Joe Tilson“

Auch Tilson zählt, wie Blake, wie Hohney und Jones, zu den Vätern der englischer Pop Art, die er vor zehn Jahren auf der Biennale in Venedig repräsentierte. Aber mit jedem Wien Auftritt demonstrieren die Engländer, di sie sich durch solche Vaterschaft nicht festlegen, nicht vorprogrammieren lassen. Tilson hat, im Sinne der Pop Art, sein Bildmaterial aus der Trialsphäre der Konsumwelt und der Massenmdien bezogen. Später hat er sich durch eine politisch engagierte Thematik profiliert. Man sieht is der Hamburger Ausstellung ein paar bemerkenswerte Beispiele aus dieser zurückliegenden Base, den „Martin Luther King“, ein bestürzendeindringliches Dokument, das seine emanziptorische Botschaft in der ihr angemessenen Fort der Materialkollage aus Photographie, Malere und Holzrelief vermittelt, und die Siebdruckkoagen zu „Ho Chi Minh“ und „Is this Che Guevra?“. Danach nimmt seine Arbeit eine total ädere Richtung. Tilson hat das Interesse an Politi und Zeitgeschichte verloren, er ist unter die hilosophen gegangen, er meditiert über der Ursprung des Lebens, die Welträtsel, die wie Elemente, über die Welt als Labyrinth. Es i. als ob ein Mann, der immer nur Zeitung gelese hat, plötzlich die Literatur entdeckt. Tilson stdiert die Vorsokratiker, die griechische Mythologi, sogar die griechische Sprache. In griechischen Buchstaben schreibt er Wörter wie Psyche und Pneuma, Okeanos und Tethys über seine kosmgonischen Entwürfe. Er konstruiert eine Stufeleiter der Begriffe, denen er die mythischen Unbilder zuordnet: „Namings and Origins“ und „Nysterious Principles of the Blue Bag“. Tilson arbeitet mit Federn, mit Holz, mit Abfall, mit Bindfaden (um eine helle Mondscheibe vor die Estnische Bretternacht zu hängen). Man ist schekiert (von einigen Primitiv-Symbolobjekten) und hingerissen von der erfrischenden Unmittelbarkeit, mit der „humanistisches Bildungsgut“ von einem zeitgenössischen Bewußtsein adaptiert wird.

Köln Bis zum 30. April, Galerie Bargera: „AugusteHerbin“

Man hat Herbin zu lange und zu ausschließlich als einen Pionier der Abstraktion gesehen und sein Lebenswerk auf diesen einen Aspekt reduziert. Ganze Passagen sind noch zu entdecken, vor allem aus der frühen Zeit, die in der Kölner Ausstellung mit besten Beispielen belegt ist. Dazu gehört „Paysage cubiste“, ein großartiges Bild mit einem mißverständlichen Titel: die originäre Leistung wird kubistisch etikettiert und in die damals übliche Malerei eingeebnet. Das gleiche Niveau erreichen, dreißig Jahre später und auf einer nichtgegenständlichen

Ebene, die „Wortbilder“, die als naiver Konstruktivismus oder geometrische Abstraktion interpretiert wurden, obgleich sie weder das eine noch das andere darstellen, vielmehr eine Malerei sui generis sind, Herbins Erfindung, seine lettristische Methode. Wörter werden in Buchstaben zerlegt und nach dem von ihm entwickelten „aiphabet plastique“ neu zusammengesetzt. Vierzig Arbeiten aus den Jahren 1908 bis 1960 sind in Köln zu sehen. Sie dokumentieren die großen Momente, die kreativen Schübe und die ausgedehnten schöpferischen Pausen, die ihnen folgen und die für Herbin eben auch charakteristisch sind. Zeiten, in denen er sich von seinen Freunden ins Schlepptau nehmen läßt, von Léger während der zwanziger Jahre, oder sich der Gruppe „Abstraction, Création“ einordnet, die er 1931, in einer Pausensituation, mitgegründet hat. Gottfried Sello

München Bis zum 5. April, Hypo-Bank (Schwabing): „Lothar-Günther Buchheim“