Wohin werden: sich die Deutschen wenden? Was werden die heimische Teuerungswelle und Einkommenseinbußen durch zunehmende Kurzarbeit an ihren Urlaubsgewohnheiten ändern? Wie bei ihren spanischen, italienischen oder österreichischen Kollegen ist dies auch für die rumänischen Ferienmanager im buchstäblichen wie übertragenen Sinne zur Preisfrage geworden.

Das vergangene Jahr war noch gut. Zwar liegt die offizielle Statistik noch nicht vor, doch wird die Schätzzahl von rund 250 000 Gästen aus der Bundesrepublik nur wenig an den endgültigen Befunden vorbeigehen. Aber einige kleine Einbrüche, zumal in den Ferienorten am Schwarzen Meer, scheint es bereits gegeben zu haben, mögen sich auch das Bukarester Touristenministerium und das Touristenamt darüber ausschweigen.

Umso mehr fühlen sich die Rumänen in ihrer Absicht bestärkt, nicht allein die Quantität, sondern vor allem die Qualität ihrer Urlaubsangebote zu steigern – bei gleichbleibenden Preisen, allenfalls einer Erhöhung von zwei bis drei Prozent. Im wesentlichen soll es bei den Zwei-Wochen-Offerten inklusive Flug zu 250 bis 350 Mark in der unteren, 350 bis 500 Mark in der mittleren und bis 900 Mark in der Spitzenkategorie bleiben.

Zu den Neubauprojekten gehört zum Beispiel die neue Hotelsiedlung Cap Aurora an der Schwarzmeerküste mit 2800 Betten. Aber der Schwerpunkt liegt nicht länger am Schwarzen Meer, wo es über eine Distanz von 70 Kilometern inzwischen ohnehin nicht weniger als zehn Ferienorte mit 110 000 Betten in 194 Hotels und dazu 220 Restaurants gibt. Statt dessen verlagert er sich zunehmend auf die Karpatenorte und die Heilbäder, wobei die Rumänen besonders beflügelt, daß mittlerweile 14 Kurorte von deutschen Krankenkassen anerkannt worden sind. Für 1973 wird die Zahl von 7000 bis 8000 deutschen Patienten genannt; eine Zwei-Wochen-Kur in Eforie kostet (einschließlich Flug) 700 Mark, von denen die Kasse 500 Mark ersetzt.

Wenn es um den Ausbau der Urlaubsmöglichkeiten in den Karpaten geht, dann kann natürlich nicht das längst zum Markenartikel gewordene, wenige Kilometer oberhalb des ehemaligen Kronstadt gelegene Poiana Brasov fehlen, das sich auf einer Höhe von rund 1000 Metern für Winter- wie Sommerurlaub gleich gut eignet. Dort sollen mehrere neue Hotels mit zusammen 4500 Betten errichtet werden.

Im Aufbau begriffen sind in den Südkarpaten in der Nähe von Sibiu zwei neue Gebirgskurorte: Vidra und Voineasa, und in der Nachbarschaft des Banats Muntele-Mic, die spätestens 1975/76 in den Touristikangeboten auftauchen werden. Schließlich werden auch an den Hauptstraßen des Landes eine Reihe von Hotels errichtet, die dazu beitragen sollen, „Flächentourismus“ anzukurbeln, Ferien per Auto von Ort zu Ort.

Persönlichen Wünschen entgegenzukommen, ist das beherrschende Kennzeichen jener Versuche, die Qualität der Ferienangebote zu verbessern. Charakteristisch dafür sind etwa die Bemühungen, die Kinder sozusagen stellvertretend Huckepack zu nehmen. Am Schwarzen Meer gibt es mittlerweile 40 Kindergärten mit deutschsprachigem Personal. Wer seine Sprößlinge dort über Tag unterbringt, um sich einmal selbständig machen zu können, zahlt pro Kind zwei Mark; wer auch über Nacht ausfliegt (zum Beispiel nach Istanbul, Flugzeit von Constanza 45 Minuten) zahlt vier Mark.