„Das Weib sei willig, dumm und stumm – diese Zeiten sind jetzt um“ – Aus der Aktion 218 entstand eine neue Frauenbewegung

Von Nina Grunenberg

Mitten in den großen Umwälzungen, in denen wir uns alle befinden, werden sich die Frauen vergessen sehen, wenn sie selbst an sich zu denken vergessen! Wohlauf denn, meine Schwestern, vereinigt Euch mit mir... Louise Otto, bürgerliche Frauenrechtlerin, 1849

Ich sehe die Männer grinsen: Feministinnen gibt es jetzt auch bei uns. In der zweiten Märzwoche, von ihnen zur nationalen Aktionswoche gegen den Paragraphen 218 erklärt, fielen sie auf den Straßen der Bundesrepublik massenhaft ins Auge. Den Mund mit Leukoplast verklebt, die Hände gefesselt, um den Fußknöchel eine Kette, an der eine Kugel als „Klotz am Bein“ schleifte – so wanderten sie durch Hamburg, so demonstrierten sie in Berlin, in Köln, in München, in Frankfurt und in den meisten Universitätsstädten für die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen. Männer durften mitmachen, als „Stimmvieh“ waren sie willkommen, doch sonst sind sie ausgeschlossen von den Frauengruppen, die in den letzten drei, vier Jahren überall in der Bundesrepublik wild und ungeplant wie Gänseblümchen aus dem Boden schossen und von ihren Apologeten bereits zur neuen Frauenbewegung promoviert wurden.

Daß außer ihnen selber noch nicht allzu viele Leute Notiz von der Bewegung genommen haben, ist für die jungen Frauen offiziell nur ein zusätzlicher Beweis für ihre Unterdrückung in der Gesellschaft. Wer sie unter sich sieht und reden hört, merkt aber bald, daß sie zuviel mit sich selber zu tun haben, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ernsthaft zu vermissen.

Der Stil, in dem sie isolierte Frauenarbeit treiben und dabei auf Männer und Institutionen pfeifen, macht erfahrene und in der politischen Arbeit bescheiden gewordene Partei- und Gewerkschaftsfrauen perplex und ratlos. Geduld, die beispielsweise jene Gewerkschaftsfrauen auszeichnete, die 1958 als erste mit der Diskussion über eine Reform des Abtreibungsparagraphen begannen und über fünfzehn Jahre lang in der rüden Männergesellschaft des DGB Max Webers berühmte Bretter bohrten – diese Art von Engelsgeduld ist nicht nach dem Geschmack der Feministinnen. Als Waffe ist ihnen der Hammer lieber – auch wenn sie damit bei den Männern vorerst nur Heiterkeitserfolge erzielen.

Rote Zelle und Weiberrat