• Ihr Ministerium ist vor einiger Zeit mit dem „Telephon-Service“ an die Öffentlichkeit getreten. Innerhalb von vier Tagen riefen über 7000 Bürger an, die nach ihren Rechten als Schwerbehinderte, Rentner oder Krankenversicherte fragten. Welche Überlegungen standen hinter dieser Aktion?

Arendt: Der Bürger muß ständig über seine Rechte, seine Pflichten und gesetzliche Neuregelungen unterrichtet werden. Deshalb bin ich um eine breit gestreute und eine eingehende Information bemüht. Trotzdem werde ich immer wieder nach Dingen gefragt, die längst geregelt sind. Diese Unkenntnis und auch die oft knappe Berichterstattung in den Massenmedien waren der Hauptanlaß für den Telephon-Service. Damit wollten wir allen Bürgern die Möglichkeit bieten, sich aus erster Hand über unsere Sozial- und Gesellschaftspolitik zu informieren.

  • Ist ein Telephon-Service durch Behörden ohne zusätzliche Kosten und ohne Planstellenvermehrung möglich?

Arendt: Ich kann mich hier nur zu den Erfahrungen äußern, die wir mit unserem Telephon-Service gemacht haben. Zusätzliche Kosten sind nicht entstanden, da die Anrufenden das Telephonat selbst bezahlen mußten. Mehr Personal haben wir für den Telephon-Service auch nicht eingestellt. Die Beteiligten, Angehörige des Ministeriums, haben diesen zusätzlichen Dienst gern auf sich genommen. Natürlich mußten aber andere laufende Arbeiten in diesen Tagen zurückgestellt werden. Wenn man aus dem Telephon-Service eine Dauereinrichtung machen wollte, stellten sich die Dinge etwas anders dar. Das war im Ministerium so und wohl auch bei anderen in Frage kommenden Stellen.

  • Nach dem geplanten Sozialgesetzbuch soll den Beamten. eine Auskunftspflicht auferlegt werden. Schließt das nicht eine neue Gattung von Beamten ein?

Arendt: Ich glaube, man muß sich hier von den überkommenen Klischeevorstellungen lösen: Nach unseren Erfahrungen mit dem Telephon-Service hat sich sehr wohl gezeigt, daß auch die Beamten aufgeschlossene Gesprächspartner sein und freundlich sachlich gute Auskunft, auch über Probleme, mit denen sie nicht täglich zu tun haben, geben können. Ich bin geneigt zu sagen: Die Aufgabe prägt den Mann.

  • Wollen. Sie als Bundesarbeitsminister hier einen Alleingang machen?