Sang- und klanglos trug Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Valéry Giscard d’Estaing eine seiner Lieblingsideen zu Grabe: Der gespaltene Devisenmarkt hat sein Leben aufgegeben. Seit ein paar Tagen gibt es nur noch einen einzigen Kurs für den Franc, der sich zudem von Tag zu Tag ändert. Das ist zwar nicht das Ende der Devisenkontrollen, aber doch die abrupte Abkehr von einer Politik, die Paris zum alleinseligmachenden Dogma erhoben hatte.

Seit August 1971 führte Frankreich den Kampf gegen die Spekulation mit Hilfe des gespaltenen Marktes und eines riesigen Verwaltungsapparates. Giscard wurde nie müde, gerade der Bundesregierung seine Kontrollmethoden als einzig wahre Politik hinzustellen. Als Bonn jedoch nicht auf Paris hörte, da waren Entrüstung und Unverständnis an der Seine groß.

Heute floatet der Franc – und Giscard präsentierte die totale Kehrtwendung als natürlichste Sache der Welt. Die Aufgabe des gespaltenen Marktes war dem Minister nur noch ein paar lapidare Sätze wert. Daraus läßt sich im Grunde nur eine Lehre ziehen: Wenn Paris demnächst wieder einmal mit missionarischem Eifer eine seiner politischen Ideallösungen anpreist, dann sollten die französischen Glaubensbekenntnisse stark relativiert werden. Denn sie haben nur solange Gültigkeit, wie sie nicht unbequem werden.

smi