Nigeria setzt den Weg zu einer selbständigenErdölpolitik konsequent fort. Das ölreiche afrikanische Land, aus dem die Bundesrepublik im vergangenen Jahr 9,3 Prozent ihres Rohöls bezog, hat zwei internationale geophysikalische Forschungsunternehmen beauftragt, vor der Küste Nigerias im Golf von Guinea den Meeresgrund nach Erdöl abzuklopfen. Innerhalb von drei Monaten sollen die Suchtrupps, die von der Nigerian National Oil Corporation (NNOC) beauftragt wurden, fündig werden.

NNOC-Boß, Philip Asiodu, verwahrte sich ausdrücklich dagegen, die Exploration vor der Küste ausländischen Ölkonzernen zu überlassen. Zu gemischt waren die Erfahrungen der empfindlichen Nigerianer mit den Ausländern. Während des blutigen Bürgerkriegs mit der abtrünnigen Provinz Biafra war die französische Gesellschaft Safrap politisch ins Zwielicht geraten. Die Zentralregierung in Lagos revanchierte sich für die Unterstützung der Biafraner, indem sie einen 35-Prozent-Anteil bei der Safrap beanspruchte. Außerdem hielt sich die Regierung von General Yakubu Gowon eine Option auf 51 Prozent der Anteile offen. Alle in Nigeria bohrenden Ölgesellschaften, darunter auch die deutsche Deminex, müssen nach dem an der Safrap statuierten Exempel damit rechnen, bald nur noch 49 Prozent der Anteile zu besitzen.

Ölexperten glauben, daß die Nigerianer ihre Karten überreizen. Als im Dezember der Preis für den Barrel Öl (1 Barrel = 159 Liter) auf 8,339 Dollar stieg, bot die NNOC ihr Öl für 22,60 Dollar an. Zwar wurde das Gebot der japanischen Mitsubishi akzeptiert, geliefert bis heute aber nichts. Vollständig abgewickelt wurde zu dem Preis erst ein Geschäft – mit Nachbar Guinea.