Ben Witter: „Knast – Nachrichten aus der Unterweit“. Ben Witter schildert die Alltagsprobleme hinter Gittern und auch die Umstände, die dahin führen. Die „Nachrichten aus der Unterwelt“ werden zu Situationsprotokollen, in denen sich die Not der Gefangenen auf einzigartige Weise verdichtet. Hier reden die Eingesperrten, die sich nicht wortreich und dialektisch gegen die Wechselbeziehungen zwischen Gesellschaft und Verbrechen artikulieren können. Ben Witter läßt sie in ihrer Sprache über ihr Schicksal reden, man nennt sie Ganovensprache, was Abgrenzung und Abwertung zugleich ist. Aus dem „Rotwelsch“ hervorgegangen und ständig Wandlungen unterworfen, ist sie, im Gegensatz zur geschminkten Umgangssprache, von entlarvender Deutlichkeit und nicht ohne tragisch-komische Sentenzen. Diese Sprache ist auch eine Anklage. (Verlag Eremiten-Presse, Düsseldorf, 1974; mit zehn Originalgraphiken von Dieter Huthmacher, 84 S., 15,– DM; signierte Vorzugsausgabe, numeriert von 1 bis 200, 20,– DM.)

H. C. F. Mansilla (Hrsg.): „Probleme des Dritten Weges“. Dieser Sammelband vereinigt sechs Beiträge, die reformistische und populistische Entwicklungsmodelle in Ländern der Dritten Welt (Mexiko, Argentinien, Bolivien, Tansania und Peru) untersuchen. Reformistische Versuche werden verallgemeinernd definiert als das Bemühen, die traditionelle, stagnierende und vorindustrielle Gesellschaftsordnung in der Dritten Welt zu modernisieren, ohne sich zugleich die staatssozialistische Methode der forcierten Akkumulation oder die massive Förderung eines von den Metropolen abhängigen Kapitalismus zu eigen zu machen. Der Sammelband versucht schließlich, den tatsächlichen Grad an Autonomie zu bestimmen, der unter den Bedingungen des „Dritten Weges“ erreichbar ist und der oft dem vom Reformismus erhobenen Anspruch nicht genügt. (S. L. 151, Luchterhand-Verlag, Neuwied und Darmstadt. 1974; 264 S., 12,80 DM)