Eine „grundsätzliche und unwiderrufliche Verschiebung von Macht und Reichtum zu den Werktätigen und ihren Familien“ hatte die Labour Party den Wählern versprochen. Das erste Budget der dritten Regierung Wilson ist dafür bescheiden ausgefallen. Ein ideologischer Linksrutsch, wie ihn das Programm ankündigte, findet im Haushalt nicht statt. Bei diesem Tempo muß in Großbritannien niemand Angst haben, den Sozialismus zu erleben. Freilich: Labour ist im Parlament in der Minderheit, hat einen eng begrenzten Handlungsspielraum und muß an die nächsten Wahlen denken.

Schatzkanzler Healey hat dem Budget deshalb konventionelle Labour-Züge gegeben. Es ähnelt den Haushalten, die von den Schatzkanzlern der beiden Regierungen Wilson von 1964 bis 1970 vorgelegt worden waren. Die Probleme in Großbritannien sind immer noch dieselben, ihre Dimensionen jedoch unverhältnismäßig größer.

Einen Teil des Riesendefizits in der Zahlungsbilanz versucht man durch einen gewaltigen Auslandskredit von 2,5 Milliarden Dollar zu stopfen. Zur Heilung der Inflation in zweistelligen Zahlen wird etwas weiße Salbe aufgetragen. Da die Angst vor der Geldentwertung ebenso groß ist wie die Furcht vor hoher Arbeitslosigkeit, die Sorge um die Zahlungsbilanz und das Pfund, bleibt man konjunkturpolitisch neutral.

Die Reichen werden von der Erhöhung der Einkommensteuer relativ stärker getroffen, aber kein Einkommensteuerzahler bleibt ungeschoren. Die „unwiderrufliche Verschiebung“ wurde also fürs erste verschoben. W. K.