Von Manfred Sack

Peter Frank, der diese Ausstellung erfunden und arrangiert hat, ist ein erfahrener Designer. Er hat sie sich mehr als ein Jahr kosten lassen. Er hat die Industrie geduldig um Demonstrationsobjekte gebeten und sie nicht selten daran erinnern müssen. Es gab einen Beirat mit zwölf und eine Jury mit elf beschlagenen Damen und Herren. Im Katalog, in dem sich Experten in einundzwanzig Aufsätzen äußern, findet man die Danksagung an achtzehn internationale Design-Organisationen und an achtundzwanzig Firmen und Institute. Kann da einer noch bezweifeln, daß es sich um eine ganz außerordentliche Anstrengung handelt?

Und doch: Als ich nach beinahe fünf Stunden die Kölner Kunsthalle verließ, wo diese vom Kunstgewerbemuseum verwaltete Ausstellung mit dem Titel „Hören und Sehen – Design und Kommunikation“ bis zum 3. Juni zu sehen ist, war mir nur das eine klar geworden: Design, also Apparate und Geräte, an deren Gestalt Leute mit viel Formsinn mitgearbeitet haben, kann man in einer solchen Häufung zwar vorzeigen, aber man kann nicht erwarten, daß irgendeinem der Sache unkundigen Besucher auch der Sinn, die Begründung einer Form begreiflich gemacht werden kann.

Natürlich ist der Vorsatz ehrenwert, nicht bloß sechshundert schöne Geräte zu zeigen (und zwangsläufig damit bei Konsumenten Reklame für ausgesuchte Produkte zu machen), sondern „Verständnis für unterschiedliche gestalterische Qualitäten“ von technischen Geräten „und ihre Ursachen“ zu vermitteln und neben gestalterischen und funktionalen auch noch „soziale Aspekte“ darzustellen. Das ist verlockend besonders bei so einem jedermann betreffenden Thema wie dem der Kommunikation und der Vermittlung, Speicherung, Messung, Reproduzierung. Ein schönes Ziel – aber eins, das in den Wolken liegt: eine Illusion zu glauben, das Publikum bekäme in dieser Musterschau Flügel, sofern es nur seinen Verstand und nicht bloß Augen und Ohren benutze.

Da steht man, zum Beispiel, vor einem „Seenot-Radio-Telephon“, das vierzig Kilometer weit reichen soll, und versucht zu erraten, warum das so lang und so viereckig ist – davon zu schweigen, wie und wo man das gebraucht und ob es eigentlich nicht nur in sich selber, sondern „kommunikativ“ nur zusammen mit einem anderen „funktioniert“. Da betrachtet man eine „Fernsprechnotrufsäule für Autobahnen“ und fragt sich, wie man die rettende Stimme aus dem Lautsprecher verstehen soll, wenn es neben einem lärmt und der Apparat nicht die Andeutung von Lärmschutz-Klappen hat – davon zu schweigen, was hinter der Tür im unteren Teil ist. Da blickt man auf zwei Koffer eines „drahtlosen Konferenzverstärkers mit Sendemikrophon“, auch genannt „Mikroport-Anlage für Schulungen, Konferenzen, Darstellungen etc., bei denen der Vortragende ungebunden von der Verstärkeranlage arbeiten kann“, und weiß nicht, warum das zwei Kästen sind, warum das Mikrophon grün ist, ob es außer einem Sendemikrophon auch noch ein anderes gibt – davon zu schweigen, ob es nicht eine Tortur ist, das Ding zu schleppen. Und dreimal bleibt die Frage, was bei dergleichen Apparaten der soziale Aspekt des Designs bedeute.

Soll einem da nun so ein Satz weiterhelfen, der in der Nähe angeschlagen ist? Er lautet: „Farben und Frequenzen als funktionelle Gestaltungselemente, in einem Kodex von Gestaltungsnormen: Auch die ‚schönste‘ Heckleuchte ist deshalb noch kein gutes Design.“ In welchem Falle aber ist sie es denn? Und was ist ein „Kodex von Normen“? Und wieso ist eine Frequenz – also eine Schwingungs- oder Periodenzahl – ein Element der Gestaltung einer Blinklampe?

Nicht weit davon befindet sich ein flaches, rechteckiges Gerät mit schräger Vorderseite. Eine grüne Zahl leuchtet, aber sie verändert sich nicht, so sehr man auch der öffentlich angeschlagenen Aufforderung „Probieren Sie!“ folgt und Tasten drückt: das Gerät war funktionsunfähig gemacht worden. Die jedem Exponat beigefügte Karteikarte meldet hier nun: „Zeiterfassungsterminal zur Anwesenheits-Zeiterfassung für konstante und gleitende Arbeitszeit“. Und weiter: „Das ZET Terminal wird über eine 2-Draht-Telephonleitung mit der Zentrale verbunden“. Knapper ausgedrückt, handelt es sich um eine äußerlich verharmloste, schicke Stechuhr, und man könnte dann noch fragen, wie man mit einer solchen telephoniert – oder warum heißt das Telephonleitung?