536 : 500 für Scheel?

Wenn alle Wahlmänner der SPD und FDP geschlossen für und alle Wahlmänner der CDU/CSU gegen Walter Scheel stimmen, wird es in der Bundesversammlung, die am 15. Mai in der Bonner Beethovenhalle den neuen Bundespräsidenten zu wählen hat, zu einem Stimmenverhältnis von 536 zu 500 kommen. Nach der Umrechnung der Ergebnisse der Hamburger Bürgerschaftswahl entfallen von den 518 Wahlmännern aus den Ländern 230 auf die SPD, 266 auf die CDU/CSU und 22 auf die FDP. Hinzu kommen die 518 Bundestagsabgeordneten (SPD: 242, CDU/CSU 234, FDP: 42), so daß von den 1036 Wahlmännern insgesamt 472 von der SPD, 500 von der CDU/CSU und 64 von der FDP gestellt werden. Ein geschlossenes Votum für oder gegen Scheel erscheint jedoch fraglich: zum einen wegen mancher koalitionsinterner Bonner Spannungen, zum anderen, weil die Union sich erst Anfang Mai oder noch später darüber schlüssig werden will, ob sie einen Gegenkandidaten aufstellt.

Industrie-Tornados

Die Industrie – insbesondere Raffinerien, die Gas, abfackeln, und Kraftwerke, die viel Wärme emittieren – ist in den Verdacht geraten, das Wetter zu beeinflussen. Ein englischer Meteorologe hat den Lauf eines Wirbelwindes verfolgt, der am 7. August vorigen Jahres schweren Schaden im südwestlichen Essey anrichtete. Seine Schlußfolgerung: Bei bestimmten Wetterlagen reicht die industrielle Abwärme aus, Mini-Tornados zu erzeugen, die zwar lokal begrenzt sind, aber jedes Jahr für mehrere hunderttausend Pfund Schaden anrichten, indem sie Schornsteine und Antennen knicken und – wie in Essex geschehen – ganze Gartenmauern in Einzelteile zertrümmern.

Verschaukelt

Vor dem Parlament versprach der italienische Ministerpräsident Rumor, die Existenz und Freizeit der Presse zu sichern; am gleichen Tag verkaufte seine Christliche Demokratische Partei die Turiner Zeitung Gazzette del Popolo – hinter dem Rücken der Redakteure – an eine Luxemburger Firma. Einige Abgeordnete behaupten, sie sei von dem Chemie-Riesen Montedison und dem Ölmillionär Mond vorgeschoben worden, Montedison und der christdemokratische Senator Fanfani hätten damit der Tid-Familie Agnelli, Besitzer der größten Turiner (Konkurrenz-)Zeitung La Stampa, eins auswischen wollen. Pikanter Nebenaspekt: Monti wird gesucht – er soll Trainingscamps junger Faschisten organisiert und finanziert haben.

Kein Stoff für Nichtbrüter