Ehe der Fußball mit seinen heutigen Regeln begann die Welt zu erobern und die Massen zu regieren, also vor 1863, kannte man außer in England, Italien und gewissen Regionen Frankreichs fast nirgendwo ein Ballspiel, das mit den Füßen ausgeführt wurde. Obwohl in Italien der Calcio in verschiedenen Städten seit dem Mittelalter seine Rolle spielte, ist doch in England, dem Mutterland des heutigen Fußballs, das historische Quellenmaterial weit umfangreicher. Allerdings lassen die frühesten Nachrichten uns im Zweifel, ob wirklich mit den erwähnten Ballspielen der Fußball gemeint war. Etwa die Schilderung durch William Fitzstephen – übrigens der früheste Sportbericht nördlich der Alpen – aus dem Jahre 1174. Das Ballspiel, dem sich damals Schüler und Studenten hingaben, ist zu ungenau beschrieben, so daß wir nicht eindeutig auf Fußball schließen dürfen. Nicht viel später wird bei den Krönungsfeierlichkeiten König Arthur II. von den Gästen ein Ball über die Felder gejagt, ein Zeitvertreib, der dem später in England vielfach erwähnten Fußball schon näher kommt.

Königliche Verordnung

Erst zur Zeit, als unter der Herrschaft Eduards II. Nicholaus Farndon Lordmajor von London war, und der König von Schottland in den Krieg zog, befahl er, daß während dieser Zeit auf den öffentlichen Plätzen dies Treiben zu unterbleiben habe, ja, er drohte sogar mit Kerkerstrafe. Bereits um die Mitte des 14. Jahrhunderts fand Fußball auch Eingang in die schöne Literatur, so etwa bei John Wyclif (1384) und bei Chaucer.

Beinahe epidemische Ausbreitung

Aus jener Epoche stammt das älteste noch erhaltene Bildnis eines Fußballspiels in England, eine Schnitzerei am Chorgestühl der Kathedrale von Cloucester. Im folgenden Jahrhundert muß sich Fußball beinahe epidemisch ausgebreitet haben, denn unter Heinrich IV. wurden gegen übermütige Fußballer Bußen von 20 Pfund und eine sechstägige Gefängnisstrafe verhängt.

Der erste Fußballclub der Welt

Und doch bestand schon zwischen 1418 und 1440 in London der erste Fußballclub der Welt, eine Brüderschaft, die sehr straff organisiert war. Am Tag der heiligen Katharina (25. November) 1425 fand in der Nähe von Bicester ein Match statt, und der Hugh of Lincoln läßt in dieser Zeit eine Ballade "The Jew’s Daugther" mit einem Fußballspiel beginnen. Der Kampf der Regierung und der Geistlichkeit gegen die volkstümlichen Unterhaltungen richtete in England so wenig aus wie anderswo. Der dem Mensch angeborene Spieltrieb ließ sich trotz drakonischer Maßnahmen auf die Dauer nicht unterdrücken, und so werden in den folgenden Jahrhunderten die Chronikquellen immer größer. Fußball ging recht eigentlich ins Jahresbrauchtum über, vielleicht aus kultischen Ursprüngen heraus – und hatte seine eigentlichen Spieltage zur Fastnachtzeit.