Mitte des Jahres wird bei Finanzminister Helmut Schmidt ein neuer Berater tätig werden, der Hamburger Diplom-Kaufmann Rudolf Schlenker. Schlenker, der früher Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Reemtsma war, stellt sich – ähnlich wie früher Ernst Wolf Mommsen im Verteidigungsministerium – ohne Bezahlung zur Verfügung, allerdings nicht in der Funktion eines Staatssekretärs wie seinerzeit Mommsen.

Schmidts neuer Mann soll sich um die unternehmenspolitischen Fragen bei den Bundesunternehmen kümmern. Eine Bereinigung der vielfältigen industriellen Unternehmen, die dem Bund gehören oder an denen er beteiligt ist, wurde schon vor Jahren angepeilt.

Karl Haehser, neuer Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, wird sich wie sein Vorgänger Hans Hermsdorf überwiegend mit Haushaltsfragen beschäftigen. In seinem Arbeitszimmer will Hähser eine übergroße Graphik anbringen lassen, auf der die Persolnalentwicklung in der Bundesverwaltung eingetragen ist. Haehser: ,,Wenn die Res- sorts dann mit ihren Geldforderungen kommen, werde ich zuerst immer auf die Personalentwicklung hinweisen. Das wird dann die Erwartungen gleich etwas dämpfen.“ Nachfolger von Haehser als Haushaltssprecher in der SPD-Fraktion ist Andreas von Bülow geworden (siehe Kurzinterview S. 42).

Hans Georg Schachtschabel, Volkswirtschaftler an der Universität Mannheim, MdB und Sprecher der Selbständigen in der SPD-Fraktion, widersprach den Befürwortern einer Investitionskontrolle in seiner Partei. Schachtschabel: „Investitionskontrolle halte ich für gefährlich, weil sich hier eine bürokratische Instanz anmaßt, mehr über die Abläufe unserer Wirtschaft befinden zu können als der Markt, dem es im wesentlichen, wenn auch nicht perfekt, doch immer wieder gelungen ist, die vielfältigen Wirtschaftspläne auszugleiten und aufeinander abzustimmen.“ Im Energiebereich hält der SPD-Abgeordnete eine Investitionslenkung hingegen für sinnvoll, weil es sich um die Planung eines Mangels handelt.

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Innenminister Hans Dietrich Genscher dringt Finanzminister Helmut Schmidt, endlich seinen Widerstand gegen die Erhöhung des Essenzuschusses für die Bundesbeamten aufzugeben. Genscher an Schmidt: „Die Gewerkschaften und Personalvertretungen fordern die Erhöhung nachdrücklich. Ich kann mich diesen Wünschen nicht verschließen.“’

Schmidt lehnte bisher aus verschiedenen Gründen ab. Einmal würde die Erhöhung von 1 Mark auf 1,50 Mark rund Zum anderen meint der Minister, die Aufwendungen für die Mittagsmahlzeit gehörten zu den aus Dienstbezügen zu bestreitenden Lebenshaltungskosten; außercem hat das Finanzministerium immer wieder. festgestellt, daß der Essenzuschuß zweckentfremdet wird. Unzählige Beamte tauschen ihre Essengeldmarken gegen Spirituosen ein.