Schwere Kämpfe auf den Golanhöhen, der arabische Terrorüberfall auf eine nordgaliläische Stadt und Israels Gegenschlag im Libanon – diese Ereignisse haben in den Tagen vor und über Ostern die tiefgreifende politische Krise in Israel und das Ende der Regierungszeit Golda Meirs etwas aus dem Blickfeld verdrängt.

An der Nordfront wollen offenbar beide Seiten kurz vor der neuen amerikanischen Friedensmission ihre militärischen Positionen verbessern. Um den Berg Hermon gab es die schwersten Gefechte seit dem Oktoberkrieg. Der strategisch wichtige Gipfel des Massivs wird größtenteils von Israelis gehalten. Zwölf Mann eines syrischen Stoßtrupps wurden beim Versuch der Erstürmung getötet. Die Einsätze der israelischen Luftwaffe wurden vom Oberkommando in Tel Aviv als die umfangreichsten im Verlauf der fünfwöchigen Kämpfe bezeichnet.

Syrische Konzessionen?

Am Ostersonntag übermittelte der amerikanische Außenminister Kissinger der israelischen Regierung durch deren Botschafter Dinitz neue syrische Vorschläge über eine Truppenentflechtung im Golangebiet. Obwohl Einzelheiten nicht bekannt wurden, lassen die syrischen Pläne nach Dinitz’ Worten einen Verhandlungsspielraum offen. Die israelischen Vorstellungen über ein Disengagement hatte Verteidigungsminister Dayan schon Ende März in Washington unterbreitet. Kissinger nannte sie damals eine "nützliche Verhandlungsgrundlage". Um die Vorschläge beider Regierungen einander anzunähern, reist der amerikanische Außenminister Ende April zum fünften Male in den Nahen Osten.

Dort haben sich die Spannungen durch einen neuen Schlag der Palästinenser und die israelischen Reaktionen noch verschärft. Am Donnerstag voriger Woche drang ein dreiköpfiges "Kamikaze"-Kommando arabischer Freischärler in die Kleinstadt Kiryat Shmonah dicht an der libanesischen Grenze ein und besetzte ein Haus. Die Einwohner – sechzehn Frauen und Kinder – wurden sofort oder im Verlauf des vierstündigen Feuergefechts getötet. Die Fedayin, die zum "Generalkommando Palästina" der Palästinensischen Befreiungsfront gehörten, sprengten sich dann selber in die Luft.

Schwerstes Blutbad seit Lod

Diesem schwersten Anschlag seit dem Blutbad von Lod im Mai 1972 fielen auch zwei israelische Soldaten zum Opfer. Der Überfall war nach Angaben eines Sprechers der Palästinenser in Beirut "der Beginn einer neuen Kampagne revolutionärer Gewalt und revolutionärer Selbstmord-Unternehmen innerhalb Israels". Ziel sei, einen Friedensschluß im Nahen Osten zu verhindern.