Der stolze bayerische Löwe mußte in den vergangenen Jahren in den Vereinigten Staaten Haare lassen. "Löwenbräu München", die größte weiß-blaue Bierburg, erfolgreichste deutsche Exportbrauerei und stärkste Importmarke auf dem amerikanischen Markt, wurde ihres Absatzes von jährlich mehr als 200 000 Hektolitern Bier in den USA nicht mehr froh, seit der Kursverfall des Dollars die Erlöse rapide schrumpfen ließ. Branchenkenner sprechen schon von hohen Verlusten.

Aufsichtsrat und Management des Unternehmens, bei dem die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank das Sagen hat, überlegten deshalb seit langem, ob man nicht das in den USA sehr beliebte bayerische Importbief auch dort in Lizenz brauen könne. Damit wäre in Zukunft das Risiko von Erlöseinbußen durch Wechselkursschwankungen ausgeschlossen.

Vor allem ein Hindernis stand diesem Bemühen bisher im Weg: Rund 70 Prozent des für die Kehlen der durstigen Amerikaner bestimmten Gerstensaftes werden an der Ostküste angelandet. Dort aber ist mit einem sehr lukrativen Vertrag der clevere Geschäftsmann Dieter Holterbosch Alleinimporteur. Den Versuch der Münchner, den Geschäftspartner vorzeitig aus dem Vertrag zu drängen, nahm Holterbusch nicht kampflos hin. Als Löwenbräu der größten amerikanischen Brauerei, der Miller-Brewing Comp, in der amerikanischen Biermetropole Milwaukee, die Vertriebsrechte übertrug, strengte Holterbosch vor dem obersten Gericht in New York eine Schadenersatzklage über 15 Millionen Dollar gegen Löwenbräu an. In München ist die Klage noch nicht zugestellt werden. Man sieht ihr mit Gelassenheit entgegen, da man sie für nicht gerechtfertigt hält.

Löwenbräu hofft, durch die Verbindung mit der Miller-Brauerei, einer Tochtergesellschaft des Tabakkonzerns Philip Morris, seine renommierte bajuwarische Marke in den USA noch stärker durchsetzen zu können und von der Dynamik des neuen Partners zu profitieren.

Zunächst übernimmt Miller den Vertrieb im Westen und im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Doch ist geplant, daß dem US-Bierkonzern später der Vertrieb im gesamten Staatsgebiet übertragen werden soll. Damit wäre Holterboschs Firma endgültig aus dem Markt gedrängt.

Anscheinend ist auch der Entschluß, nach der Neuorganisation des Vertriebsnetzes Löwenbräu in den USA in Lizenz zu brauen, bereits gefallen. Bleibt nur die Frage, ob die amerikanischen Biertrinker auf das Renommieretikett bottled in Munich verzichten werden.