Heizöl mit geringem Schwefelgehalt kann aus Kohle billiger hergestellt werden als aus Rohöl. Mit dieser Meldung überraschte jetzt eine Gruppe von Wissenschaftlern die Jahrestagung der American Chemical Society in Los Angeles. Wie die Forscher des Pittsburgh Energy Research Center unter der Leitung von Sam Friedman berichteten, konnten sie bei der experimentellen Ölproduktion in einer größeren Versuchsanlage "praktisch alle Kohlensorten, auch die extrem schwefelhaltigen, in reines Heizöl umwandeln".

Das SYNTHOIL (synthetic oil) genannte Verfahren ist den deutschen Umwandlungsmethoden aus dem Zweiten Weltkrieg weit überlegen, betonten die Chemiker: "Wir können den Schwefelgehalt des Heizöls bis auf 0,17 Prozent und den Aschengehalt auf 0,7 Prozent reduzieren. Wir arbeiten mit viel geringeren Drücken, verbrauchen weniger Wasserstoff, und wir produzieren mehr, weil wir bessere Reaktoren und Katalysatoren haben, als die Deutschen damals besaßen. SYNTHOIL ist das erste künstliche Öl, mit dem man einen Gewinn erzielen kann."

Und so wird SYNTHOIL hergestellt: Pulverisierte Kohle wird mit etwas synthetischem Heizöl vermischt und zusammen mit Wasserstoff mit hoher Geschwindigkeit in einen Reaktorturm gepumpt. Dieser Turm ist mit einem sogenannten Katalysator gefüllt, um die chemischen Prozesse zu beschleunigen. Die kombinierte Wirkung von Wasserstoff, Turbulenz und Katalysator verflüssigt und entschwefelt die Kohle. Der Schwefel wird vom Wasserstoff gebunden und als Wasserstoffsulfid ausgeschieden, das "Rohöl" wird zur Aschenentfernung noch zentrifugiert und ist dann verkaufsfertig. Man kann das Öl auch noch weiter zu Benzin oder Dieselöl raffinieren.

Neben den niedrigen Kosten sehen die amerikanischen Wissenschaftler vor allem darin einen Vorteil, mit SYNTHOIL hochschwefelhaltige Kohle verwerten zu können. Solche Kohlenlager gibt es in den USA in großer Menge, sie wurden aber wegen der Luftverschmutzung bei der Verbrennung solcher Kohle nicht abgebaut.

Die Chemiker aus Pittsburgh haben in Los Angeles auch ihr bislang streng gehütetes Geheimnis preis: die chemische Zusammensetzung des Katalysators. Er besteht aus "schwefeligem Kobalt und Molybdän auf einer kieselsäureaktivierten, großflächigen Tonerdeunterlage". M.W.