Augsburg

Nach wie vor haben Bayerns SPD und FDP der Aktivität der Union nichts entgegenzusetzen. Das neueste Produkt des Tatendrangs der CSU-Landesleitung wurde in Augsburg der Öffentlichkeit präsentiert: die in 125 Basisgruppen organisierte 4000 Mitglieder starke "Schüler-Union" (SU) Bayern. Die Konstitution auf Landesebene mit der Wahl eines Sprechers war ein Abschluß der (vom CSU-Referenten Reinhold Bocklet betriebenen) Aufbauphase dieser Unions-freundlichen Jugendriege.

"Wir Konservativen haben es den Sozialisten wieder einmal gegeben", kommentierte eine 16jährige Delegierte die im historischen Rathaus stattfindende Tagung. Vor Ort machte sich die Angelegenheit freilich harmloser und unbedeutender aus. Wie es sich für Konservative gehört, herrschte Ordnung im Saal – jedenfalls zu Beginn. Zuerst redete der von der CSU bestallte Reinhold Bocklet und dann die Schüler-Union-Mitglieder. Man gab sich keine Mühe zu verdecken, in welchem Maße die angeblich unabhängige SU – vor allem finanziell – von der CSU abhängig ist.

Die Diskussionsbeiträge, obgleich oft naiv und harmlos, wären für jeden Unionsfreund eine Freude gewesen. Resolut bis leidenschaftlich bekannten sich die Delegierten zu Grundgesetz, freiheitlich demokratischer Grundordnung, zur Marktwirtschaft und zum Leistungsprinzip. In diesem Ausmaß hörte man das von Jugendlichen schon lange nicht mehr. Häufig fielen große Worte: "Die SU soll die Avantgarde des bürgerlichen konservativen Lagers, sein", meinte der zum Landessprecher gewählte 17jährige Paul Lachenmair, und über die Frage, ob man den Begriff konservativ in die programmatische Erklärung aufnehmen solle, diskutierte man heiß. Am Schluß hieß es dann: "Die SU ist eine Interessenvertretung der Schüler der demokratischen Mitte."

Mit der Gruppe, die für mehr Unabhängigkeit von der JU und der CSU eintrat, ging auch eine Frage unter, die an den Schulen von eminenter Bedeutung ist. Wie nämlich hält man das mit der Parteiräson, wenn durch die geforderte Mitbestimmung und Mitwirkung in der Schule Konflikte mit dem Kultusministerium entstehen, wo man es nicht so gern sieht, daß junge Leute statt zu lernen sich Gedanken darüber machen, was an der Schule geändert werden könnte. Behaupten konnte sich auch hier der Landessprecher, der die Meinung vertrat, man wolle die Bestimmung der Lehrinhalte zwecks Sachkompetenz den Lehrern überlassen. Kultusminister Maier kann sich also über den neuen SU-Sprecher freuen.

Für eine politische Veranstaltung waren verhältnismäßig viele Mädchen unter den Delegierten, wenngleich sich kaum eine junge Dame zu Wort meldete. Ob der Vorwurf verschiedener Schülergruppen stimmt, die SU betreibe eine Party-Politik, bei der die CSU die Getränke bezahle, war in Augsburg ebensowenig zu überprüfen wie die Behauptung der Jungdemokraten, die SU verbreite an den Schulen Bayerns den Rechtsradikalismus. An der Haltung freilich kann kein Zweifel bestehen; die SU-Zeitung zum Beispiel ähnelt im Inhalt frappierend dem Bayernkurier der Altvorderen. Wird die Saat der CSU aufgehen, indem die jungen Leute demnächst allesamt stramme Unions-Mitglieder werden ...?

Ludwig Maaßert