Von Heinz-Günter Kemmer

Helmut Böttcher, Sprecher des Vorstandes der Dortmunder Union-Brauerei AG (DUB), fand lobende Worte für das Ergebnis verbotenen Tuns: "Zur Markt- und Preissituation auf dem Flaschenbier-Sektor bleibt festzustellen, daß im Jahre 1970 beim Preiswettbewerb nach den unerfreulichen Auswüchsen der vorausgegangenen Jahre zunächst eine wohltuende Beruhigung zu erkennen war. Auch nach der Bierpreisanhebung im Februar 1970 bemühten sich angesichts der ständig steigenden Kosten sowohl die Brauereien als auch die Großhändler, das neu festgelegte Preisniveau zu halten."

Der DUB-Sprecher, der dies in der Hauptversammlung am 29. Juni 1971 von sich gab, war schon recht dicht an der Wahrheit, als er von "festgelegtem Preisniveau" sprach. Am 7. Januar 1970 nämlich hatten die sieben Dortmunder Großbrauereien auf der Mitgliederversammlung des Verbandes Dortmunder Bierbrauer ein handfestes Preiskartell gezimmert.

Die Vorstandsmitglieder der Aktien-Brauereien und die Geschäftsführer der Privatbrauereien vereinbarten unter Assistenz des rechtskundigen Verbandsgeschäftsführers eine einheitliche Preiserhöhung um 7 bis 7,50 Mark je Hektoliter. Sie verständigten sich überdies darauf, den Abnehmern die Preiserhöhung in einer zeitlich genau festgelegten Reihenfolge mitzuteilen.

Aber der Rütli-Schwur vom Januar hielt nicht lange; So klagte Böttcher vor den Aktionären: "Gegen Ende des Jahres lebte aber der Preiswettbewerb leider wieder auf, offensichtlich wohl durch stagnierende oder gar rückläufige Absatzzahlen beeinflußt."

Um den "leider wieder aufgelebten Wettbewerb" zu bremsen, setzten sich die Brauer erneut an den Biertisch. In drei Verhandlungsrunden, die am 2. und 9. Dezember 1970 sowie am 14. Januar 1971 über die Bühne gingen, wurden weitere Preiserhöhungen um fünf bis zwölf Mark je Hektoliter beschlossen. Auch diesmal fehlte die Einigung über die Reihenfolge in der Information der Kunden nicht.

Mit geraumem zeitlichen Abstand wurde eine Instanz über die Dortmunder Geheimbündelei informiert, die derlei gemeinhin zu verhindern trachtet: Das Bundeskartellamt erhielt von Unbekannt einen Hinweis darauf, daß sich im Schreibtisch von Dr. Wilhelm Hübner, dem Vorstandsvorsitzenden der Stern-Brauerei Carl Funke AG, Essen, ein interessantes Schriftstück befinde.