Zum 80. Geburtstag von Rudolf Heß, dem einsamsten Häftling der Welt, hat ein erfahrener und schreibgewandter Journalist alles zusammengetragen, was bisher über ihn bekannt oder noch zu erfahren war. So entstand die erste große, brauchbare Heß-Biographie:

Wulf Schwarzwäller: "Rudolf Heß"; Fritz Molden Verlag, Wien 1974; 303 S., 28,– DM.

Ausführlich beschäftigt sich der Biograph mit der Herkunft des Häftlings, dessen Vater, ein Großkaufmann in Ägypten, ein ebenso strenger wie Herkunft Mann war ("Söhne solcher Väter werden entweder Rebellen oder Lakaien"). Manches, was Schwarzwäller an Lebensdaten zusammenträgt, ist zum Verständnis dieser absonderlichen Karriere unentbehrlich: das Erlebnis der Materialschlacht bei Verdun, die Ausbildung als Jagdflieger, die zufällige Begegnung des Leutnants Heß mit dem Gefreiten Hitler, seine Sabotageakte gegen die Münchner Räterepublik, seine Freundschaft mit dem General und Geopolitiker Karl Haushofer. (Über den Anteil von Haushofer Vater und Sohn an der "Friedensmission" von Rudolf Heß im Frühjahr 1941 gibt es seit einiger Zeit eine bemerkenswert objektive Darstellung:

James Douglas-Hamilton: "Geheimflug nach England. Der ‚Friedensbote‘ Rudolf Heß und seine Hintermänner"; Droste Verlag, Düsseldorf 1973; 222 S., 26,80 DM.

Der Verfasser ist der Sohn jenes Herzogs von Hamilton, den sich Rudolf Heß als Gesprächspartner ausgesucht hatte). Schwarzwäller führt einen Indizienbeweis, wonach Hitler von Heß’ Englandplänen gewußt haben muß und Heß die seit Sommer 1940 laufenden Vorbereitungen für den Überfall auf Rußland gekannt hat.

Was dazu der ehemalige amerikanische Kommandant von Spandau in seinem Erlebnisbericht an authentischen Äußerungen des Häftlings wiedergibt:

Eugene K. Bird: "Heß"; Kurt Desch Verlag, München 1974; 312 S., 30,– DM,