Die Steuereinnahmen reichen trotz der progressiven Steigerung bei inflatorisch aufgeblähten Einkommen zur Deckung nicht aus. Der Staat muß sich also stärker verschulden. Der Bund allein wird fast acht Milliarden Mark aufnehmen, zwölf bis dreizehn Milliarden die Länder und die Gemeinden. Schon Ende Februar hat Helmut Schmidt auf der Klausurtagung in Boppard den Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, als den einzigen anwesenden Bankier gefragt, wie er das Defizit finanzieren würde. Ponto hat zu Schuldscheinen geraten. Im Gegensatz zu Anleihen erlaubten Schuldscheine eine geräuschlose Finanzierung. Sie werden von Banken, Versicherungen und anderen Kapitalsammelstellenaufgenommen. Das breite Publikum wird zunächst gar nicht eingeschaltet.

Doch das geht nur eine verhältnismäßig kurze Zeit, wie der Augenschein zeigte. Schmidt hat sich Pontos Rat zu eigen gemacht und im März die ersten Schuldscheine ausgegeben. Mit einer Rendite von elf Prozent fanden die Banken und Versicherungen Gefallen an ihnen. Und so setzten allmählich Umtauschoperationen ein. Rentenpapiere, die eine niedrigere Rendite brachten, wurden abgegeben, um die begehrten Schuldscheine zu bekommen. Dennoch ist man im Bundesfinanzministerium der Auffassung, daß der Bund nicht als Zinstreiber gewirkt habe.

Spätestens dann jedoch, wenn weitere Kredite aufgenommen werden müssen, wird Helmut Schmidt überlegen müssen, zu welchen Zins er das tun kann. Dann wird die alte Wahrhelteinmal wieder bestätigt werden, daß der Staat zinsrobust ist. Ob der Bundesfinanzminister dann auch noch zu seiner Behauptung vom Bankentag stehen wird, daß der elfprozentige Anleihetyp nicht kommen wird, dürfte sich schon im Mai herausstellen, wenn der Kapitalmarktausschuß über die Bedingungen einer neuen Anleihe beraten muß.

Was spricht eigentlich bei steigender Kapitalnachfrage gegen den Elfprozenter? Der Schritt ließe sich nur vermeiden, wenn sich die Privatwirtschaft bei der Kapitalaufnahme zurückhielte. Damit ist aber in einem neuen Aufschwung mit der Möglichkeit, auch hohe Kapitalkosten auf die Kunden weiterzuwälzen, nicht zu rechnen. Die Doppelstrategie entpuppt sich als politische Verlegenheitslösung. Sie heizt das Preisklima weiter an, einmal, über die wachsende Nachfrage von Bund, Ländern und-Gemeinden, zum andern über den Zins als Bestandteil der Kosten.