Italiens Touristikleute blicken dem kommenden Feriensommer mit Bangen entgegen. Die Prognosen verheißen nichts Gutes: Die Deutschen kommen nicht mehr in Scharen wie bisher. Deshalb kommen PR-Italiener nach Deutschland und werben. Mit Charme, Speisekarte und Folklore.

Die meisten deutschen Großstädte erhalten zur Zeit ihre Reklame-Spaghetti-Portion. Nahezu jede Woche reist eine andere Delegation an. In München gab es kürzlich eine venezianische, Werbewoche im Hotel "Bayerischer Hof", und fast gleichzeitig lief eine Gaumenparade der Provinz Pesaro-Urbino im "Esso-Hotel".

Alles bringen die Italiener zu ihren Reklameeinsätzen an der Urlauberfront mit: ihre Köche, ihre Weine, vor allem aber Stöße von Prospekten. Man bittet die Presse zu Tisch, macht dem zuständigen Wirtschaftsminister seine Aufwartung, lädt die Leiter der örtlichen Reisebüros zum Schmausen ein. Nur an Informationen mangelt es immer wieder im kulinarischen Nahkampf, der mit der Urlaubsbuchung enden soll, vor allem an Informationen über die Preise.

Italien hat seinen Fremdenverkehr in den letzten Jahren total dezentralisiert. Statt staatlicher Fremden Verkehrswerber aus Rom reisen deswegen heute die Herren aus Provinzen und Regionen an, deren Namen freilich der Urlauber, den man gewinnen will, anläßlich von Werbewochen oft zum erstenmal hört. Mit italienischer Partikularinteressen-Geographie ist er nicht vertraut. Sucht er Gesamtdarstellungen von Angeböten, dann helfen nur die Kataloge der Reiseveranstalter.

Manchmal bleibt für die angereisten Herren nur ein Bedauern über ihre fast rührende Hilflosigkeit. Während bei anderen Veranstaltungen oft ein Zuviel an alerter PR-Strategie geboten wird – hier fehlt die geringste Fähigkeit, sich selbst darzustellen. Die Liebe geht durch den Magen, gewiß, aber sie muß jenen Bezirk im Gehirn erreichen, wo die Urlaubsentscheidung fällt. jv