Inzwischen hat England? Liberale Partei 50 000 Pfund für die Rückgabe der "Lautenspielerin" angeboten, um das Gemälde zu retten. Museumsexperten meinen, daß es verlorengeht, wenn es nicht unter richtigen klimatischen Bedingungen und mit pfleglicher Sorgfalt aufbewahrt wird.

Im Falle der Mona Lisa gab es allerdings noch eine andere Theorie. Es dauerte nämlich mehr als zwei Jahre, bis das Gemälde an den Louvre zurückgegeben wurde. Der Italiener Vicenzo Perugia, der sich als Reinigungsarbeiter verdingt hatte, konnte das Bild unter seiner Arbeitskleidung am 21. August 1911 durch einen Hinterausgang aus dem Museum schmuggeln. Er wurde festgenommen, als er versuchte, es an einen Kunsthändler in Florenz zu verkaufen, Und später zu sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Aber erst kurz vor Weihnachten 1913 wurde dies wohl berühmteste Gemälde der Welt nach Paris zurückgebracht. Schon damals – und immer wieder taucht das Gerücht auf – wurde gemunkelt, es sei gar nicht das Original, das jetzt im Louvre hängt, sondern eine raffiniert angefertigte Kopie. Die echte Mona Lisa sei an einen brasilianischen Kaffeemillionär verkauft worden. Perugia sei nicht der Patriot gewesen, für den er sich ausgegeben habe, sondern Mitglied einer Bande, die sich mit dem Diebstahl alter Meister, und deren Export nach Südamerika bereicherte. Und es sei nicht nur eine Kopie der Mona Lisa angefertigt worden.

Diese Theorie wird erhärtet durch die Erklärung eines französischen Marquis, der 1948 auf dem Sterbebett angab, er sei der Drahtzieher hinter den Kulissen dieser Bande gewesen. Er sei "Amateurkunsthändler", und einer seiner Kunden habe ihm wiederholt gesagt, er sei bereit, für die Mona Lisa jede Summe zu zahlen.

Da im Louvre das Kopieren von Gemälden nicht gestattet ist, sei er, der Marquis, auf den Gedanken gekommen, die Mona Lisa kurzerhand zu "entleihen"; denn sein "Hausfälscher", der ihm schon eine Reihe von Murillos und Raphaels gefertigt habe, könne keine Kopie machen, wenn er das Original nicht vor sich habe. Insgesamt seien sechs Kopien angefertigt worden. Ob diese Geschichte stimmt oder nicht, weiß kein Mensch. Sie ist zumindest nicht unmöglich, wenn man bedenkt, wie lange das Gemälde im Untergrund blieb.

Auf den Tag genau fünfzig Jahre nach dem Mona-Lisa-Raub Stahl jemand ein Goya-Gemälde aus der englischen Nationalgalerie in London. Das Bild wurde 1965 zurückgegeben. Im Jahre 1961 gab es so etwas wie eine Kunstraubepidemie, besonders in Frankreich.

  • Anfang April wurden aus dem Restaurant Colombes d’Or in St.-Paul-de-Vence zwanzig Bilder gestohlen, darunter Werke von Picasso, Braque, Léger und Chagall.
  • Zwei Wochen später wurden dem in St.-Paulde-Vence ansässigen Kunsthändler Aimé Maeght 24 Bilder moderner Maler entwendet.
  • In der Nacht zum 16. Juli fuhr eine Bande mit einem Lastwagen vor dem Städtischen Museum in St.-Tropez vor, brach ein und fuhr mit 57 Werken ab. Damaliger Wert: um die zehn Millionen Mark.
  • Eine Cézanne-Ausstellung in Aix-en-Provence – der Maler war dort geboren und hatte auch dort gelebt – wurde trotz der Bewachung durch zwei Polizisten vollständig ausgeraubt. Damaliger Wert: 15 Millionen Mark.