Kegeln ist so deutsch wie gewaschener Hals und englischer Rasen. Kegeln ist urdeutsch. Schon die alten Germanen ... Also schön, sie schmissen noch mit Steinen, aber es war doch der Anfang. Seit 1157 hat man es dann endlich schwarz auf weiß. Rothenburger Mönche haben damals schon so richtig sportlich die Kugel geschoben und dazu den Humpen gehoben. Das ganze Land, schon immer anfällig für jederlei Trimmfimmel, eiferte ihnen nach. Ein einig Volk von Kegelbrüdern. Mehrere Kaiser mußten Autorität dazwischenfunken, weil Kegelfanatiker Haus und Hof auf der Bohle verspielten.

In all der Zeit klaffte da eine Marktlücke, kaum zu glauben. Jahrhundertelang gab es nämlich keinen Kegelführer für Deutschland. Jetzt endlich hat der Kölner Orschel-Verlag ihn auf den lückenhaften Markt gebracht: 957 Seiten dick, reichlich schwer (zweieinhalb Pfund) und reichlich teuer (29 Mark).

Für sein Geld kriegt der Käufer 3000 Ortsbeschreibungen im Telegrammstil der Branche (6251 Runkel, besonders malerischer Ort an der Lahn, guterhaltene Burgruine). Soweit wäre der Reiseführer ein Reiseführer und sonst nichts. Aber zu den Texten und wenigen Bildern liefert das Werk Angaben über 11 000 Kegelbahnen zwischen Ahrensbök in Ostholstein und Zwiesel im Bayerischen Wald.

Sollten unter den 110 000 in einem eigenen Sportverband organisierten deutschen Kegelbrüdern und -schwestern einige von den Zeitgenossen sein, die nicht ein einziges Buch besitzen, so wird sich dies bald ändern müssen. Denn für reisende Kegelmenschen ist der Wälzer laut Verlagsangabe unentbehrlich.

Wer sich nicht entscheiden kann, ob er nun in Waddeweitz oder Nassachmühle, in Wichelnförth oder Winzenhohl die Puppen aus Weißbuche tanzen lassen will, dem kann auch geholfen werden. Sämtliche Spezialkegelreiseveranstalter breiten ihr Programm in dem Paperback aus. Gut Holz auf allen Wegen, im Hochsauerland oder Harz, am Rhein und in der Heide. Sogar in London und auf hoher See zwischen Venedig und Athen.

Besser noch paßt. ein Spor’tausflug nach Mallorca; vier Tage Kegeln unter spanischer Sonne. Denn Mallorca ist fast so deutsch wie Kegeln.

P. E.