Tokio hat die Schraube der Normalisierung gegenüber Peking und Moskau um eine Windung weitergedreht: Nach mühseligem diplomatischen Gefeilsche und Gefeile wurde das japanisch-chinesische Luftverkehrsabkommen endlich unterschrieben; zwei Tage später kam es dann auch zur Unterzeichnung eines Rahmenprotokolls über einen japanischen Milliarden-Dollar-Kredit für die Erschließung sowjetischer Rohstofflager in Sibirien.

Die Aktivierung der Beziehungen zu den beiden kommunistischen Großmächten in Asien kostet Japan zur Zeit allerdings mehr, als sie einbringt. So ist das Abkommen mit Peking in jeder Hinsicht zu einem Verlustgeschäft geworden. Tokio hatte aus politischen und kommerziellen Gründen seine parallele Flugverbindung mit Taiwan, dem anderen China, aufrechterhalten wollen; es konnte sich damit jedoch nicht durchsetzen. Auch die Wünschenach attraktiven Überflugrechten wurden von den Chinesen abgeschlagen. An Moskau mußten die Japaner ihre einst von Ministerpräsident Tanaka aufgestellte Bedingung stillschweigend fallen lassen, wonach sie ins große Sibiriengeschäft nur zum Preis einer Herausgabe verschiedener von den Sowjets besetzt gehaltener Inseln einsteigen wollten.

Die aus den Zwängen der amerikanischen Eindämmungspolitik entlassene japanische Diplomatie sieht sich neuen, ihre zögernde Initiative lähmenden, ihr aufkeimendes Selbstbewußtsein schwächenden Pressionen ausgesetzt: Sie muß zwischen Moskau und Peking unbedingt gleiche Distanz bewahren und gerät dadurch immer wieder in Zugzwänge; sie ist außerstande, in einer wirtschaftlichen Krisenlage den von Energiesorgen unberührten kommunistischen Mächten gegenüber verhandlungsstark aufzutreten. Zu Hause kommt kein Konsens über die Außenpolitik zustande – nicht einmal in der Regierungspartei.

Merkwürdig: Tokio hat mehr außenpolitische Optionen als bisher, aber es kann sie nicht wahrnehmen. Der Wirtschaftsriese Japan bleibt ein politischer Zwerg. A. K.