DIE ZEIT

Wachwechsel in Jerusalem?

Das eine zumindest haben die Mitglieder des Arbeiterpartei-Zentralkomitees bedacht, als sie mit knapper Mehrheit den 52jährigen Jitzhak Rabin zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bestimmten: Jerusalems alte Garde mußte endlich der nachfolgenden Generation weichen.

Der Paragraph als Vogelscheuche

Im Jahre 1902 stellte Karl Kraus fest: "Wir können uns nicht daran gewöhnen, Sittlichkeit und Kriminalität, die wir so lange für siamesische Begriffszwillinge hielten, voneinander getrennt zu sehen.

Todesgefahr

Nach dem blutigen Ausgang des jüngsten Hamburger Banküberfalls – ein Polizist und der Täter wurden erschossen, eine Geisel gefährlich verletzt – wird sich die Polizei aufs neue fragen müssen: Waren Konzept und Durchführung ihres Zugriffs richtig? Zum erstenmal hatte eine Spezialeinheit der Schutzpolizei, das auf Grund der Erfahrungen mit früheren Geiselmorden aufgestellte "Mobile Einsatzkommando" (MEK), die Aufgabe übernommen, sieben Geiseln vor einem bewaffneten Raubmörder zu retten – leider mit zweifelhaftem Erfolg.

Provokation

An amerikanischen Universitäten pflegt der Senator Edward Kennedy gern zu fragen, was denn die Studenten von der Wehrpflicht und von Verteidigungsausgaben halten.

Ein Pfennig zuviel

Selbst in unserer von der Inflation heimgesuchten Welt gilt der Pfennig manchmal noch etwas. Immerhin hat der Versuch einiger Mineralölgesellschaften, den Benzinpreis um genau einen Pfennig zu erhöhen, gewaltigen Aufruhr ausgelöst.

Zeitspiegel

Über die Ergebnisse ihrer Kamingespräche auf Schloß Gymnich am vergangenen Wochenende haben die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft nichts verlauten lassen.

Worte der Woche

"Weizsäcker ist der Vater des Grundsatzprogramms der CDU. Viele Teile dieses Programms finden unsere Billigung, manche wieder in geringerem Umfang.

Kissingers Kunst der Konfrontation

Am 23. April 1973 hielt Henry Kissinger, damals noch Sicherheitsberater im Weißen Haus, beim Jahresessen der Associated Press in New York eine Ansprache, deren Bedeutung der Publicity-Apparat Washingtons alsbald als säkular anzupreisen begann.

"Zum Teufel mit der Theorie!"

Jobert: Solange Pompidou im Elysée war, hat er fast die Hälfte seiner Zeit außenpolitischen Problemen gewidmet. Da ich mit ihm gearbeitet habe, interessierte ich mich für viele Dossiers, aber ich war nie ein Spezialist für Außenpolitik.

Die Union will Flagge zeigen

Fast drei Monate lang hatte sich die CDU/CSU mit dem Problem herumgeschlagen, ob sie bei der Wahl des neuen Bundespräsidenten am 15.

Exekution ohne Opfer?

Die Sozialdemokraten hängen keinen, sie hätten ihn denn – dieses Motto scheint für Willy Brandts Kabinettsreform zu gelten. Im Wort, während der Halbzeit der Legislaturperiode Minister auszuwechseln, und im Zwang, es auch tun zu müssen, scheint er sich zu einer Exekution durchgerungen zu haben, die den Tricks jener Zauberkünstler nicht unähnlich ist, die auf offener Bühne in Kästen versteckte Menschen durchsägen, um sie nachher, wundersamerweise unversehrt, wieder dem Volk zu zeigen.

Zwischen Trotz und Taktik

Hans-Otto Bäumer sieht aus wie der gute Onkel aus der Kinderstunde: unter weißgrauem Haarkranz gemütliche, etwas verschmitzte Pausbäckigkeit.

Wolfgang Ebert: Arm, aber sauber

Nett haben Sie’s hier", sagte der fremde Besucher, als er die drei Zimmer meiner 82-Quadratmeter-Wohnung durchstreifte. Vorgestellt hatte er sich als Herr Döse vom Protokoll des AA.

Großmacht in der Klemme

Tokio hat die Schraube der Normalisierung gegenüber Peking und Moskau um eine Windung weitergedreht: Nach mühseligem diplomatischen Gefeilsche und Gefeile wurde das japanisch-chinesische Luftverkehrsabkommen endlich unterschrieben; zwei Tage später kam es dann auch zur Unterzeichnung eines Rahmenprotokolls über einen japanischen Milliarden-Dollar-Kredit für die Erschließung sowjetischer Rohstofflager in Sibirien.

Rettung durch die Todesstrafe?

Für die Demokratie gibt es in der koreanischen Wirklichkeit keinen Platz, auch nicht im Süden, dem vom Westen protegierten Teil des Landes.

Gefährlicher Gegner

Jahrzehntelang hat die katholische Kirche Portugals die Augen vor den Massakern in den afrikanischen Kolonien verschlossen und sich bedingungslos in den Dienst eines Regimes gestellt, das Rassengleichheit propagiert und blutige Apartheid praktiziert.

Liberale vorn

Zum erstenmal seit 1958 konnten am vergangenen Sonntag rund neun Millionen Kolumbianer ihren Präsidenten frei wählen. Bei etwa 50 Prozent Wahlbeteiligung errang der Kandidat der Liberalen Partei, Ex-Außenminister Alfonso Lopez Michelsen, eine klare Mehrheit.

"Reform notwendig"

Zwei Tage vor der parlamentarischen Schlacht um die Reform des Abtreibungsparagraphen 218 warfen die Fraktionen am Dienstag einander vor, mit Geschäftsordnungstricks die Chancen ihres jeweiligen Gesetzentwurfs verbessern zu wollen.

Für Entspannung

Die Führer der sieben Staaten des Warschauer Paktes haben auf einer Tagung in Warschau für einen raschen Abschluß der Genfer Konferenz über europäische Sicherheit (KSZE) plädiert.

Die SPD warnt

An zwei innerparteilichen Frontabschnitten sind die Jungsozialisten in die Defensive geraten: In Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Machtprobe in Washington

Kürzlich forderten dann zwei andere Instanzen – Sonderstaatsanwalt Jaworski und der Rechtsausschuß des Repräsentantenhauses – neues, ergänzendes Beweismaterial: Richter Sirica unterschrieb für Jaworski eine Einziehungsverfügung über 64 Dokumente, befristet auf den 2.

Bonn will Nahostfrieden mitgarantieren

Die Bundesrepublik ist bereit, zusammen mit anderen Staaten eine nahöstliche Friedensregelung politisch zu garantieren, doch will sie militärische Garantien dabei nicht eingehen.

Aktuelle Krisenherde

Einen Krieg mit allen Mitteln hat die kurdische Führung gegen die irakische Regierung proklamiert. Zugleich beschuldigte sie das Regime in Bagdad, elf prominente Kurden kaltblütig exekutiert zu haben.

Folgt Rabin Golda Meir?

Der israelische Arbeitsminister Jitzchak Rabin soll die Nachfolge von Golda Meir antreten. Elf Tage nach ihrem Rücktritt nominierte das Zentralkomitee der regierenden Arbeiterpartei am Montag den 52jährigen frühere Generalstabschef und Botschafter in Washington für das Amt des Regierungschefs.

Kleine Koalition

Nach dreimonatiger Regierungskrise in Belgien bildete der christlich-soziale Parteiführer Tindemans ein Minderheitskabinett, in dem nur seine Partei und die Liberalen vertreten sind.

Sadat auf sandigem Sockel

Millionen Menschen drängen sich klagend durch Kairos Straßen: Ihr "Rais", der "große Führer" Ägyptens, wird zu Grabe getragen, Gamal Abdel Nasser.

Wüsten-Paradiese aus Plastik

Die Welt hat lange geglaubt, nur die Juden könnten die Wüste zum Blühen bringen. Aber wir alle werden umlernen müssen: Die Araber können es auch.

"Größen-Wahn" in der Wahner Heide?

Vor vier Jahren, im März 1970, nannte Ministerpräsident Heinz Kühn den hufeisenförmigen Betonklotz in der Wahner Heide südöstlich von Köln einen "Countdown für die Zukunft der Luftfahrt in Nordrhein-Westfalen".

Brave Avantgarde

Nach wie vor haben Bayerns SPD und FDP der Aktivität der Union nichts entgegenzusetzen. Das neueste Produkt des Tatendrangs der CSU-Landesleitung wurde in Augsburg der Öffentlichkeit präsentiert: die in 125 Basisgruppen organisierte 4000 Mitglieder starke "Schüler-Union" (SU) Bayern.

Katzenjammer nach dem Dolchstoß

Jetzt haben sie plötzlich den Mut vor der eigenen Courage verloren!" Diese Feststellung des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeskanzleramt, Karl Ravens, charakterisiert die Situation im einst so geschlossenen Lager der CDU-Tempolimit-Gegner.

Der einsamste Häftling

Zum 80. Geburtstag von Rudolf Heß, dem einsamsten Häftling der Welt, hat ein erfahrener und schreibgewandter Journalist alles zusammengetragen, was bisher über ihn bekannt oder noch zu erfahren war.

"Ein kleines Ei"

Memoiren des Moskauer Botschafters – Keine Enthüllungen, doch versteckte Kritik

Eine Nation von Nomaden

Noch bis vor kurzem war Mobilität ein Synonym für erfrischende Beweglichkeit, für Tatendrang und Fortschrittsfreude. Heute, da sich mehr bewegt, als vielen von uns lieb ist, weckt das Wort auch unerfreuliche Assoziationen.

Die erste atlantische Allianz

In dieser gründlichen Untersuchung wird die außenpolitische Geschichte der deutschen Revolution von 1848/49 behandelt und zugleich ein Kapitel deutsch-amerikanischer Beziehungen aufgeblättert, das bisher von der Geschichtsschreibung vernachlässigt worden ist.

Amerika, wie es leibt und lebt

Mit der Unermüdlichkeit eines Roboters der Zeitgeschichte hat der amerikanische Journalist und Schriftsteller Theodore H. White seinen drei Erzählungen über die Präsidentschafts-Wahlkampagnen von 1960, 1964 und 1968 das vierte Werk dieser Art folgen lassen: zum Duell zwischen dem demokratischen Aspiranten George McGovern und Richard Nixon im Jahre 1972.

Lob der Unvernunft

Zeit des Abschieds. Buñuels jüngster Film windet einen Trauerkranz schöner Bilder dem "Diskreten Charme der Bourgeoisie"; Jürgen Beckers Gedichtband dieses Frühjahrs verkündet "Das Ende der Landschaftsmalerei"; Peter Handkes neues, sein neuntes Stück klagt schon im Titel: "Die Unvernünftigen sterben aus.

Das Leiden als Geschäfts-Trick

Die Hauptfiguren Ihres neuen Stückes "Die Unvernünftigen sterben aus" sind Unternehmer. Und zwar Unternehmer, die Sie nicht als Ausbeuter und Charaktermasken, sondern als Personen mit Gefühlen und Erinnerungen gezeichnet haben.

Zeitmosaik

Tomi Ungerer: "Nirgends gibt es so viele Kochbücher wie in den Küchen von Amerika, und man kocht nicht; nirgends gibt es so viele Geschlechts- und Sexbücher, und.

Kindheit – ein Alptraum?: Unterwegs wer weiß wohin

Der Landesverband Hessen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ließ seine Mitglieder Ende Februar in einer Urabstimmung darüber entscheiden, ob die GEW in Hessen einen eintägigen Warnstreik durchführen solle oder nicht.

Filmtips

"Le Magnifique" von Philippe de Broca. Jean-Paul Belmondo auf den Spuren von James Thurbers Walter Mitty. In de Brocas einfallsreich verspielter Komödie ist er ein frustrierter Kolportage-Autor, der aus seinem schäbigen Alltag in opulente Träume flüchtet.

Ein Lehrer wird abserviert

Rüdiger Offergeld ist 30 Jahre alt und Studienrat auf Probe am Luitpold-Gymnasium in München. Er unterrichtet Deutsch, katholische Religion und Sozialkunde und ist Klassenlehrer der Klasse 12 b (Unterprima).

Kunstkalender

Ob "Spurensicherung" die Sache deckt, die in Hamburg an sechs Beispielen aus Deutschland, Frankreich und Italien (die beliebig vermehrt werden könnten) abgehandelt wird, ist ziemlich belanglos.

Die neue Schallplatte

Die neuen Lieder der Joni Mitchell sind – schon seit der LP "Bitte" – in all ihrer feministischen Sensibilität und selbst in den privatesten Aspekten ungleich verbindlicher und genauer als alles, was respektierte Songpoeten wie Dylan oder Lennon in den letzten Jahren geschrieben haben.

Oberlehrers Scherbenwelt

Die bisherigen Versuche der Fernsehanstalten, ihr Medium zum Gegenstand analysierender Sendungen zu machen, vermiesten dem Zuschauer die Lust daran gründlich.

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